Christine Henniger, Martin Koerber, Karl-Heinz Frommolt, Jan Lazardzig und Thilo Wittenbecher diskutieren «Bewegung im Bild» im Internationalen Theaterinstitut Berlin (ITT); Foto: Internationales Theaterinstitut Berlin
Das digitale Gedächtnis
Wer einmal im Archiv der Akademie der Künste den Mitschnitt einer historischen Theateraufführung – beispielsweise Frank Castorfs legendäre «Räuber von Schiller» aus dem Jahr 1990 – angeschaut hat, kennt das Problem: Man starrt stundenlang auf kontrastarmes, grobkörniges Bildoberflächenmaterial, das bei glücklicher Schnittmenge von Kameraausschnitt und Bühnengeschehen die Bewegung von Menschen in einem Raum erahnen lässt. Schon die Zuordnung einzelner Sprachäußerungen zu einer Figur ist im allgemeinen akustischen Rauschzustand eine echte Herausforderung.
Und Bert Neumanns dazugehöriges Modellbuch ist zwar ein berührendes Zeugnis künstlerischer Sorgfalt, vermag aber ebenfalls nur unzulänglich Auskunft über das eigentliche Ereignis zu geben. Kurz: Um mit den materiellen Reliquien einer historischen Inszenierung überhaupt etwas anfangen zu können, empfiehlt es sich, das Original gut zu kennen.
«Digitalisierungsoffensiven»
Im Wettbewerb um öffentliche Ressourcen und Aufmerksamkeitsökonomien haben es die materiellen Objekte des kulturellen Erbes wie alte Gemälde, historische Architekturen oder pittoreske Porzellanvasen natürlich leichter. Still und beschaulich halten sie dem ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Anja Quickert
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