Biografien basteln
Sie liebt Figurentriaden und hat nach «Muttersprache Mameloschn» (Großmutter, Mutter, Tochter), «Muttermale Fenster blau» (Großvater, Mutter, Sohn) und «Schwimmen lernen» (Ehemann, Ehefrau, Geliebte der Gattin) nun ein viertes dreiblättriges Kleeblatt in einem Stück zusammengeführt.
In «Hurenkinder Schusterjungen» treffen eine Frau und zwei Männer aufeinander. Tschech, Typ Althippie, hat etwas mehr vom Leben gesehen als die beiden anderen. Ali und Buchs zählen zu jenen Exemplaren der Generation Y, die unentschlossen zwischen allen Stühlen sitzen.
Buchs macht irgendwas mit Fotografie, Ali bedient im Speisewagen des ICE. Geht es ihr schlecht, verkriecht sie sich schon mal in der Gepäckablage. Embryonalstellung. Jetzt will sie zusammen mit Buchs von Tschech eine Wohnung mieten. In welchem Verhältnis die beiden stehen, ist nicht so ganz klar, da Ali sowohl mit ihrem Mitbewohner als auch dem Vermieter in der Kiste landet.
Drei einsame Wesen treffen sich in unübersichtlichen Zeiten: Hurenkinder und Schusterjungen eben, oder versprengte Wörter und Satzteile, die beim Zeitungs- oder Magazinumbruch die Ästhetik des Satzspiegels stören. Hätte Marianna Salzmann sich darauf beschränkt, das ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik: NT Mannheim, Seite 58
von Jürgen Berger
Julia Hummer macht Würgegeräusche», diktiert Julia Hummer dem«Tagesspiegel»- Reporter ins Gerät. Der hatte gefragt, wie sie denn zum Theaterspielen stünde. Oh nein, bloß das nicht: «Ich kann es nicht oder will es nicht, dieses große Ausspielen.»
Die Schauspielerin und Musikerin Julia Hummer ist die toll Authentizität performende Protagonistin in Tatjana Turanskyis...
Matthias Schweiger ist ein mächtiger Mann von beinahe Qualtingerschen Dimensionen, nicht nur äußerlich. Wer sich mit seiner Statur das Autoren-Pseudonym «Ferdinand Schmalz» gönnt und sein erstes Stück «am beispiel der butter» nennt, beweist reichlich Souveränität. Und Charme. Um es mit Andreas Beck, dem Wiener Schauspielhaus-Leiter und ehemaligen Arbeitgeber von...
Wenn er einen ansah, unter seinen buschigen, kühn gewölbten Augenbrauen hindurch, fühlte man sich ertappt. Fritz Marquardt Aug in Auge standzuhalten, dem gar nicht großgewachsenen Mann, war nicht einfach. Weil man ihm ein reiches, so großes wie bescheidenes Leben mit all seinen Umbrüchen, Widersprüchen, Herausforderungen ansah – er versteckte es nicht, ihm war...
