Bildungsoffensive für die Ohren
Für die Theater sind sie Bildungsauftrag, aber auch sichere «Bringer». «Don Carlos», die 74.: kein Problem. Seit Mitte Februar trumpfen jetzt auch die Radiosender SWR 2 und MDR Figaro im Wochenabstand mit «Klassik: jetzt»: Sie haben zehn Werke der deutschen Theaterliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts als Hörspiel-Neuproduktionen ins Programm gesetzt und ihnen mit einer umfangreichen Materialsammlung, darunter eine «Handreichung» für den Unterricht, Geleitschutz gegeben.
Über die Auswahl lässt sich sicher streiten, über den guten Vorsatz nicht: Die «öffentlich-rechtliche Bildungsoffensive» (SWR-Dramaturg Klaus Schmitz) soll ein «Vermächtnis aus Rebellion und Emanzipationsverlangen» (MDR-Dramaturg Thomas Fritz) einer Generation nahe bringen, die angeblich dem Lesen und Theaterbesuchen nicht mehr so viel abgewinnen kann und auch vom Radio, stellt es sich nicht gerade in Gestalt der Podcasts und Audioblogs dar, offenkundig immer weniger hält.
Wären da nicht das Phantom einer allein seligmachenden «Werktreue» und die pauschalisierenden Hiebe gegen ein von Regisseurseitelkeiten dominiertes Theater, man könnte sich diesen Radiofassungen unbefangener nähern. So aber bleibt viel ...
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Theorie muss im Theater immer in Programmheften gefangengehalten werden, sonst würde sie den ganzen Laden auffliegen lassen. «Die Gewalt des Konsens und der forcierten Zusammengehörigkeit, die, wie eine Schönheitschirurgie des Sozialen, die Wurzeln des Übels und jeder Radikalität auszureißen trachtet; die jede Form der Negativität und Singularität einschließlich...
