Bewusstseinsüberwältigungsmaschine
Mit «Under my thumb» von den Rolling Stones, der Hymne der Frauenunterdrücker, beginnt der Abend. Ein Ekel ist dieser «Er». Ein egomaner Choleriker. Kümmert sich nicht um sein Kind und wirft seiner Frau vor, sie sei schuld daran, dass es nicht spricht.
Der Held und Erzähler von Rolf Dieter Brinkmanns 1968 veröffentlichtem Roman «Keiner weiß mehr» ist (seinem Autor zum Verwechseln ähnlich) ein scheiternder Rebell, einer, der weiß, dass er an sich selbst scheitert.
Das Faszinierende an ihm ist seine uneitle Selbstentblößung und seine Unnachgiebigkeit, seine berserkerhaft wütende Selbstanalyse zwischen unflätigen Ausfällen gegen alle, die ihm nahestehen – und dass er nicht nachlässt in seinem Versuch, mit den anderen Menschen irgendwie doch zu Rande zu kommen. Der Roman hat kaum Handlung, kaum Figuren, keinen Dialog, viele mit provokativer Detailgenauigkeit geschilderte Sexszenen – keine leichte Vorlage für das Theater. Die Kölner Dramaturgie und der Regisseur Stefan Nagel scheinen auch die ersten zu sein, die auf die Idee kamen, dieses in Köln spielende Monstrum aus den wilden Sechzigern auf die Bühne zu bringen.
Die Inszenierung beginnt so unauffällig wie möglich. Der Romantext ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Gerhard Preusser
Der berühmte Baum, den Samuel Beckett in der ersten Regieanweisung für «Warten auf Godot» einführt, ist in Thomas Dannemanns Kölner Inszenierung auf bedeutungsvolle Weise abwesend. Wenn sich Estragon (Jan-Peter Kampwirth) zu vorgerückter Stunde an diesem Baum aufhängen will, muss Wladimir (Michael Wittenborn) selbigen mit angewinkeltem Bein und verkreuzten Armen...
Wer in den ersten Augusttagen in London war, wird mit ziemlicher Sicherheit einige aufgeregte SMS aus dem In- und Ausland bekommen haben: «Are you ok? Are you caught up in the riots?» The riots, the riots, die Millionenstadt in Panik, außer Kontrolle, in einer surrealen Szenenmischung aus Sommerschlussverkauf, Bürgerkrieg und Clockwork Orange. Premier David Cameron...
Im Theater sagten sie «Rosel». Sie wollte selbst die lieblichere, kleinere Form ihres Vornamens. Rosalie Helga Lina: Eine Matrone konnte sich solchen Taufnamen leisten; sie war leichter, munterer. Aber was? Sie wusste es erst sicher, als sie schon vierzig war, nach langem Weg und harter Arbeit; nämlich: die unverwechselbare Schauspielerin, schön, anmutig und...
