Beobachtungen der dritten Art
Die Betrachtung von Kunst ist ein Schauspiel, an dem sich einiges ablesen lässt. Etwa der Stellenwert, den die Zuschauenden der Kunst beimessen, aber auch der Rang, den die Betrachtenden sich selbst einräumen.
Ob sie die Kunstbetrachtung als Ritual in eigens dafür errichteten Räumen zelebrieren, ob und wie sie darauf reagieren: mit Fragen, Deutungen oder heftigen Emotionen, ob sie das Werk ignorieren, womöglich gar nicht als solches erkennen und sich lieber gleich mit sich selbst oder untereinander beschäftigen, ob sie sich als Connaisseure im Wettstreit oder als Genießerinnen eines Luxusprodukts aufführen, ob sie durch die gemeinsame Betrachtung zu einer Gemeinschaft werden – all das erzählt eine Menge über das Selbstverständnis der Kunstbetrachter und ihr Verhältnis zum Kunstwerk.
Die Regisseurin Anta Helena Recke fügt diesem Vorgang noch eine weitere Ebene hinzu, indem sie ihn auf die Bühne der Münchner Kammerspiele bringt – also vor ein Publikum, das somit anderen Zuschauern beim Zuschauen zuschaut. «Die Kränkungen der Menschheit» zeigt drei verschiedene Situationen rund um eine übermannshohe Museumsvitrine, zu der drei Stufen hinaufführen und in der nur zwei massive, schön ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Eva Behrendt
Nicht jede Inszenierung braucht eine Bühne. Mitunter reicht ein Interview, wie der damalige Burg-Direktor Claus Peymann 1988 mit seinem launig-provokanten Gespräch mit dem Hamburger Wochenblatt «Die Zeit» bewies («Wenn Sie wüssten, was für eine Scheiße ich hier erlebe! Man müsste dieses Theater von Christo verhüllen und abreißen lassen»). Auch Martin Kušej teilt zu...
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt...
In «Ausweitung der Kampfzone» von 1994 steckt schon der ganze spätere Houellebecq. Ein etwas antriebsschwacher Ich-Erzähler mit akademischem Hintergrund in einigermaßen gesicherten ökonomischen Verhältnissen verliert langsam die Sinnbezüge zu seinem Leben und trudelt zunehmend distanziert durch ein paar zufällig und ziellos erscheinende Alltagsstationen Richtung...
