Auftritt: Linz

Die Stadt an der Donau ist 2009 Kultur­hauptstadt Europas. Ein Gespräch mit Airan Berg, dem künstlerischen Leiter für Darstellende Kunst

Theater heute - Logo

Bernd Noack Herr Berg, wer in Linz aus dem Zug steigt, den erschlägt gleich in der Bahnhofsunterführung förmlich ein Plakat: «Kulturhauptstadt des Führers». Wird man auch auf den Bühnen, die im Rahmen des Festivals bespielt werden, Hitler herumwesen sehen müssen, oder wie soll dieses Stück Stadt-Vergan­genheit bearbeitet werden?

Airan Berg Zunächst einmal: Es gibt ja nicht nur die Beziehung zwischen Hitler und Linz, auch Adolf Eichmann ist hier aufgewachsen, das darf man nicht vergessen.

Es wird natürlich auch im Theater um dieses Kapitel gehen, wobei wir dabei sehr eng mit den Machern der Ausstellung «Kulturhauptstadt des Führers» zusammenarbeiten. Für mich als jüdischen Theatermacher ist aber der Blickwinkel auf die Geschichte sehr wichtig und wahrscheinlich zunächst ein anderer, als erwartet wird: Mir geht es nicht primär um die Auf- oder Verarbeitung der Vergangenheit, speziell der lokalen. Das wird am deutlichsten wohl mit der Produktion «Purimspiel» von David Maayan und Joshua Sobol, die im März zu sehen sein wird. Ausgehend von dem Purim-Fest, einer Art jüdischem Fasching mit allen anarchischen Begleiter­scheinungen, soll hier ein Stück gezeigt werden, das eben mit dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gegenkritik

Franz Wille auf der Mailbox: «Lieber Falk, hier ist Franz, ruf doch mal bitte zurück.» Hm, was kann das bedeuten? Er will mein neues Stück abdrucken, wie toll, da freu ich mich aber, und dann, nein, nein, du, hör mal, wir haben da so ‘ne Rubrik «Gegenkritik», ach so, hmm, das ist so ‘ne Loserrubrik, wir fanden nämlich deine «Kabale und Liebe»-Inszenierung alle so...

Am seidenen Faden

Wenn ein neuer Intendant gleich zu Amtsantritt gegen Schließungs-Szenarien antreten muss, ist in seiner Stadt einiges schiefgegangen. Normalerweise sollte er sich zunächst auf die Kunst konzentrieren können. Aber in Oberhausen ist der­zeit nichts normal. Deshalb die Gräuel vorab.

Die Situation des Theaters Oberhausen ist nicht nur ein lokales Problem. Es geht um die...

Dezenz ist Schwäche

Den Zustand der Erregung, den Schauspieler beim Zuschauer, bei ihren Bewunderern und Verehrerinnen auszulösen vermögen, kenne ich vor allem aus meiner Berliner Studienzeit. Frustriert vom damals an der FU eigentlich nicht möglichen theaterwissenschaftlichen Studium, war ich Stammgast an Barlogs Bühnen, dem Schlosspark- und Schillertheater, pilgerte ich – soweit es...