Dezenz ist Schwäche
Den Zustand der Erregung, den Schauspieler beim Zuschauer, bei ihren Bewunderern und Verehrerinnen auszulösen vermögen, kenne ich vor allem aus meiner Berliner Studienzeit. Frustriert vom damals an der FU eigentlich nicht möglichen theaterwissenschaftlichen Studium, war ich Stammgast an Barlogs Bühnen, dem Schlosspark- und Schillertheater, pilgerte ich – soweit es die schmale Studentenkasse zuließ – ins Berliner Ensemble oder ans Deutsche Theater, die damals nur mit zusätzlichen Passierscheinkosten zu erreichen waren.
Ja, das war meine beste und begeisterndste Theaterzeit, weil es beste Schauspielerzeit war, deren stimmliche Vielfalt ich noch heute im Ohr habe: Martin Helds sarkastische Orgeltöne in Becketts Inszenierung von «Das letzte Band», Lieselotte Raus schwingend klare, betörend warme, ganz individuelle Sprechart, die Giraudouxs dramatische Poesie etwa in «Intermezzo» zum Klingen brachte, oder die elegante Brillanz, mit der Eva Katharina Schultz und Erich Schellow sich in Schweikarts «Der Menschenfeind»-Inszenierung dialogisch duellierten. Das machte süchtig! «Menschenfeind» habe ich vierzehn oder fünfzehn Mal gesehen, die anderen genannten Inszenierungen sicherlich auch ...
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Sind wir nicht alle Meister in Sachen Fremd- und Selbsttäuschung? Entwickeln wir nicht die seltsamsten Strategien, um einen kleinen Vorteil zu erlangen, den anderen fertig zu machen oder ein wenig Liebe zu erhaschen? LaButes Figuren scheinen die fiktionalen Alter Egos des ganz normalen Zeitgenossen. Nett und redlich auf den ersten Blick, doch Vorsicht, wenn seine...
2005 war erst vorgestern: das Schillerjahr zum 200. Todestag, das den Dramatiker der großen Emphase und der steilen Plots auf jede Bühne des Landes trug. 2009 schon wieder ein Schillerjahr: 200. Geburtstag im November, die Theater rüsten sich zum Pflichtprogramm und erledigen gleichzeitig ihren Bildungsauftrag mit sicherem Publikumszuspruch nicht nur der reiferen...
Wenn ein neuer Intendant gleich zu Amtsantritt gegen Schließungs-Szenarien antreten muss, ist in seiner Stadt einiges schiefgegangen. Normalerweise sollte er sich zunächst auf die Kunst konzentrieren können. Aber in Oberhausen ist derzeit nichts normal. Deshalb die Gräuel vorab.
Die Situation des Theaters Oberhausen ist nicht nur ein lokales Problem. Es geht um die...
