Antikenexpress und Abstellgleis
Man muss sich Ödipus als einen geduldigen Mann vorstellen. In seinem langen Leben musste er schon manche Überraschung verkraften, und auch danach war ihm wenig Ruhe vergönnt. Sigmund Freud hat auf seinen mythologischen Schultern eine Schule errichtet, mit der er die Pathologien der Moderne erklären wollte, und für die Hinterfragungslust der Ideologiekritik gilt der Thebanerkönig mit den vielen Leichen im Keller als Grundstein und Hausheiliger. Nach den Großtheorien des letzten Jahrhunderts ist es allerdings erstaunlich still geworden um den alten Mythos.
Was hat er heute noch zu bedeuten? Nun hat John von Düffel aus vier antiken Tragödien, durch die Ödipus mehr oder weniger prominent geistert, einen mächtigen Familien-Mehrteiler gebaut, der von «König Ödipus» zu «Sieben gegen Theben» über «Die Phönizierinnen» bis zur «Antigone» reicht. Was den «Buddenbrooks» ihr Lübeck, ist hier Theben.
Wo es um die großen Zusammenhänge geht, müssen die kleineren zurücktreten. In diesem Fall so ziemlich alles, was nicht zur Kernhandlung gehört: Zweifel, Umwege, Kommentare, also das ganze hinderliche Nachgedenke. Chorpassagen fliegen grundsätzlich raus, weil zu viel Reflexion nicht wirklich ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Franz Wille
3./Mittwoch
20.15, ARD: Der Turm Zweiteiliger Fernsehfilm (2012) nach Uwe Tellkamp, mit Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen, Götz Schubert, Nadja Uhl, Steffi Kühnert u.a., Regie Christian Schwochow 2. Teil am Donnerstag, 4., 20.15 Uhr
0.15, 3sat: Die Sehnsucht der Veronika Voss Spielfilm (1982) von Rainer Werner Fassbinder mit Rosel Zech, Armin Mueller-Stahl, Hilmar...
Kein zweiter Mythos der Menschheitsgeschichte bringt Liebe, Tod und Kunst zwingender zusammen als die Geschichte von Orpheus und Eurydike, dem Göttersohn und der Nymphe. Ovid hat sie in seinen «Metamorphosen» beschrieben, sie ist x-mal vertont, dutzendfach nacherzählt worden: Wie Eurydike, die geliebte Frau des gefeierten Sängers und Leierspielers Orpheus nach dem...
Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.
Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie...
