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«Schatten – Euridyke sagt», Elfriede Jelineks Perspektivwechsel auf den Orpheus-Mythos, erstaufgeführt in der Essener Philharmonie

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Kein zweiter Mythos der Menschheitsgeschichte bringt Liebe, Tod und Kunst zwingender zusammen als die Geschichte von Orpheus und Eurydike, dem Göttersohn und der Nymphe.

Ovid hat sie in seinen «Metamorphosen» beschrieben, sie ist x-mal vertont, dutzendfach nacherzählt worden: Wie Eurydike, die geliebte Frau des gefeierten Sängers und Leierspielers Orpheus nach dem Biss einer Schlange im Hades verschwindet, der untröstliche Gatte ihr hinterhereilt und mit der unbezwingbaren Schönheit seiner Stimme die Hüter des Schattenreichs dazu bewegt, die Tote mit ihm zurückkehren zu lassen ins Land der Lebenden. Unter einer Bedingung: Keinen Blick darf er werfen auf die Geliebte, bis die Rückkehr aus der Unterwelt vollzogen ist. Doch Orpheus wendet den Blick, und Eurydike sinkt zurück ins Totenreich.

Von Angst und Kleidern besessen

Schon 1986 hat Klaus Theweleit die Mythenfolie zum Anlass genommen, ketzerisch über den Mythos der großen Liebe und ihre künstlerische Verwertung nachzudenken. Im «Buch der Könige – Orpheus (und) Eurydike» spürte er u.a. Benn und Brecht, Hamsun, Ezra Pound und Monteverdi als narzisstischen Künstlerpersönlichkeiten nach, die ihre Frauen opferten fürs Werk, ein ...

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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Aufführungen & Festivals, Seite 24
von Barbara Burckhardt

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