Alles Recht geht vom Pub aus
Kein anderer Dramatiker lässt auf der Bühne so ekelhafte Grausamkeiten begehen wie der irischstämmige Martin McDonagh: Es wird gefoltert, was das Zeug hält, Körperteile werden abgeschnitten und Katzen erschossen. Nur erhängt wurde noch niemand – bis zu dem neuen Stück «Hangmen» («Die Henker»), geschrieben nach einer langen, viel zu langen Pause, die sich der Autor vom Theater genommen hatte (in welcher er Drehbücher für Hollywood schrieb und Filme machte).
Alles, was man an Martin McDonagh mögen kann, ist auch in diesem neuen, 2015 am Londoner Royal Court Theatre uraufgeführten und auch gleich mit einem Olivier Award ausgezeichneten Werk zu finden: schwarzer Humor, treffsichere Dialoge, scharf gezeichnete Figuren und ein hinreißender Plot, der uns so unmerklich wie überraschend von einer glaubwürdigen Unwahrscheinlichkeit in die nächste mitnimmt. Mit dem Wissen um das Ende ist das Stück ein völlig anderes als beim ersten Lesen, und wer das Stück erarbeitet, wird sich permanent um die Wiederherstellung jener Unschuld bemühen, mit der man den Text zum ersten Mal las – wie passend, bei einem Stück über alles, was Schuld ist!
Zugegeben, das Setting wirkt entlegen, die ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Roland Koberg
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