Träumt weiter?
Manchmal passt es besser, als man planen konnte. Natürlich wurde am Deutschen Theater Tennessee Williams’ «Die Glasmenagerie» auf den Spielplan gesetzt, bevor irgend jemand sich auch nur im Entferntesten vorzustellen vermochte, dass in den USA fünf Wochen vor der Premiere tatsächlich ein durchgeknallter Milliardär zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden würde – nicht zuletzt von den Abgehängten des amerikanischen Traums, der schon lange ein Traum ist, der für die Allermeisten nie wahr werden wird.
Von Träumern, die sich mit Ersatzglückseligkeiten die Tristesse der Realität vom Leibe halten, erzählte 1944 Tennessee Williams in seinem biografienahen Debütstück aus einem St. Louis der späten 30er Jahre. Amanda Wingfield, deren Mann sich vor langer Zeit aus dem Staub gemacht hat, lebt mit ihren erwachsenen Kindern Tom und Laura in ärmlichen Verhältnissen. Tom, ein unkaschiertes Selbstporträt des Dichters, ernährt die Familie mit der ungeliebten Arbeit in der Schuhfabrik, die ihn vom Schreiben abhält, und flüchtet sich allabendlich in Kino und Kneipe. Laura, leicht gehbehindert, schwänzt die Schule, setzt kaum mehr einen Fuß vor die Tür und poliert ihre Glastiere. Und ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Barbara Burckhardt
Warum wird man Terrorist? Warum setzt man sich mit einem Sprengsatz voller Schrauben vor dem Bauch in ein vollbesetztes Restaurant und jagt sich in die Luft, damit mehrere Dutzend unschuldige Mitmenschen in Stücke gerissen werden? Vielleicht, weil der eigene Bruder vorher von israelischen Sicherheitskräften während seiner Hochzeit hinterrücks erschossen worden ist?...
Es schwimmt eine Barke in Richtung Europa. Auf ihr: ein Berg Leichen und ein Überlebender mit dem sonderbaren Namen Erdonidus Amandéü (Mathieu Montanier). Ein halbnackter, hagerer Mann im langen Hosenrock, ein Verlorener zwischen den Welten. Er ist auf der Flucht. Und er hat Schiffbruch erlitten. Wie Tausende andere vor ihm –beispielsweise das französische...
Noch vor dem geschlossenen Vorhang, hell ist er mit dunkler Rückseite, kniet sie vorn an der Rampe und knallt mit regelmäßig dumpfen Schlägen die Stirn auf den Boden. Antigone, dramatisches Urbild alles Widerständigen gegen die Staatsgewalt, hat aus heutiger Sicht durchaus Potenzial zu einer Kamikaze-Fundamentalistin – besessen von der Vorstellung, Recht zu haben,...
