Im Land der ängstlichen Kriegsgewinnler
Am Anfang steht die Katastrophe. Oder zumindest die imaginierte Katastrophe, das «Was wäre, wenn» eines zukünftigen Szenarios, in dem plötzlich alles anders ist und wir aus unserem Alltag und unserem gewohnten Verhalten herausgerissen werden. Stellen wir uns also die Katastrophe vor und wie wir uns verhalten würden, wo wir hingehen würden, wohin wir flüchten würden, um ihr zu entkommen.
Wie könnten wir uns das besser vorstellen als mit den Mitteln des Theaters?
Der japanische Konzeptkünstler und Regisseur Akira Takayama bereitet zurzeit mit tatkräftiger Unterstützung einer Reihe von Künstlern, Kuratoren und Studierenden am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main ein Großprojekt vor, das die Umgebung von 30 S-Bahnstationen in der Rhein-Main-Region zum Ausnahmegebiet erklärt. Von Hanau im Osten bis hinüber nach Wiesbaden und Mainz im Westen und hinunter nach Darmstadt im Süden machen sich Berufspendler und Reisende auf die Suche nach alternativen Möglichkeiten, aus- und umzusteigen. Takayama vermisst den Stadtraum neu, sucht nach anderen Möglichkeiten, Wege und Menschen zu verbinden und Freiräume zu schaffen. Orte in der Umgebung der Haltestellen werden von einzelnen Künstlern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2014
Rubrik: Freie Szene, Seite 33
von Gerald Siegmund
Radikaler als mit dieser Auftaktperformance hätte man wohl kaum klarmachen können, dass im Jahr 2014 neue Zeiten beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens angebrochen sind. Praktisch ohne Text, ohne nacherzählbare Geschichte purzelten da sechs Akteure und die belgische Arrangeurin dieser Turbulenz namens «Mystery Magnet», Miet Warlop, vor einer weißen Wand...
Zu «Nora» gehört nicht nur das berühmteste Türschlagen der Theatergeschichte, der Bums am Ende, es gehört auch einer der niedlichsten Ausstattungsgegenstände zu Ibsens Stück. Es ist die Hausherrin selbst, das süße Singvögelchen, die Puppenheimbewohnerin. Für die Tür hat der Bühnenbildner Olaf Altmann in Frankfurt eine geniale Lösung gefunden: Im Hintergrund findet...
Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Macbeth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.
Die...
