Eine Frage der Haltbarkeit
Radikaler als mit dieser Auftaktperformance hätte man wohl kaum klarmachen können, dass im Jahr 2014 neue Zeiten beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens angebrochen sind. Praktisch ohne Text, ohne nacherzählbare Geschichte purzelten da sechs Akteure und die belgische Arrangeurin dieser Turbulenz namens «Mystery Magnet», Miet Warlop, vor einer weißen Wand umher, hantierten mit Luftballons und einem Elektroauto, verspritzten literweise Farbe, hämmerten mitunter ihre grellen Perückenköpfe durch die Wand und versprühten auch sonst ziemlich scham- und sinnfrei gute Laune.
Eine quietschbunte Nebenbühnenbelustigung war das, irgendwo zwischen dem Dripping-Expressionismus eines Jackson Pollock und Disneyland. Man trifft dergleichen regelmäßig auf Nachwuchsfestivals der Marke «Freischwimmer» oder «Impulse» an. Aber beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens, der einstigen Bastion der Dramatiker-Förderung in Deutschland? Eher ungewöhnlich.
Was ist ein Stück?
Mit Aplomb war die neue Mannschaft des Theatertreffens, Leiterin Yvonne Büdenhölzer und der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender, ihre Reform des Stückemarkts angegangen: weg vom Dramen- und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Christian Rakow
Wir leben. Wir leben. Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat. Keiner schaut gnädig herab auf unseren Zug, aber auf uns herabschauen tun sie schon. Wir flohen, von keinem Gericht des Volkes verurteilt, von allen verurteilt dort und hier. Das Wißbare aus unserem Leben ist vergangen, es ist unter einer...
Mit seinem hauseigenen Festival «radikal jung» hat das Münchner Volkstheater in den letzten zehn Jahren nicht nur eine beachtete Plattform für junge Regisseure geschaffen, sondern auch in eigener Sache eine Art Testlabor für künftiges künstlerisches Zusammenarbeiten, in dem man bereits mehrfach fündig geworden ist, so wie jetzt wieder mit dem Engagement des...
Nur Näherungen kann es geben beim Nachdenken über Horst Sagert, Näherungen an einen Künstler, dessen Werk im Unaufschließbaren geblieben ist. Sagert wollte dem Geheimnis des Lebens, seines Lebens, auf den Grund kommen. Dafür stellte er Fragen, immer wieder Fragen. Auch und zuerst an sich selbst. Antworten gab er nicht. Er scheute keine Anstrengung, im faustischen...
