Ahoi, Sechs-Sparten-Haus!
Mit einer Blutgrätsche wurde die Saison am Volkstheater Rostock (VT) eröffnet. Anders kann man es nicht formulieren in einer Stadt, in der der örtliche Fußballverein Hansa, inzwischen in der dritten Liga beheimatet, noch immer die städtische Identität prägt. Da wurde nach fünf Jahren Interimsintendanz endlich wieder ein Theatermacher per öffentliche Ausschreibung bestellt, noch dazu einer, Sewan Latchinian, der an seiner letzten Station in Senftenberg bewiesen hat, dass er kräftig zu rödeln vermag.
Und der sendet sogleich Aufbruchsignale: verpasst dem Haus einen neuen maritimen Außenauftritt, verkündet den Ausbau des Vier- zum Sechsspartenhaus (mit Bürgerbühne und Figurentheater zusätzlich zu Oper, Tanz, Schauspiel und Philharmonie) und setzt zum Saisonstart den «Stapellauf» als allumfängliches Allsparten-Event an (von der Art jener Marathons, wie er sie in Senftenberg, einem ungleich kleineren, reinen Schauspielhaus, schon praktizierte). Doch plötzlich ist in den Tagen vor dem «Stapellauf» überhaupt nicht mehr die Rede von Aufbruch, sondern von Defiziten, Haustarifregelungen, Spartenschließung. Die Politik hat, wie so oft in den letzten Jahren in Rostock, zugeschlagen oder, um ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Christian Rakow
Vier Tage nach der Saisoneröffnung im Deutschen Theater Berlin wurde rund um die Hauptstadt in Brandenburg gewählt. Und, oh Schreck, die ziemlich neue nationalkonservative Partei mit dem kraftvollen Namen «Alternative für Deutschland» wilderte für ihre 12 Prozent nicht nur kräftig in der Stammwählerschaft der CDU, sie bediente sich auch bei sämtlichen anderen...
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche...
Nostalgie ist der Russen heiligste Gefühlsregung, wichtiger noch als Patriotismus und süßer als Sorgen um die Zukunft. Die Vergangenheit aufzupolieren, ist generell eine Eigenschaft des menschlichen Erinnerungsvermögens, die Russen betreiben sie mit besonderem Eifer und in großer Vielfalt: der eine das vorrevolutionäre Russland, ein anderer die bei uns als...
