Sog ins Bodenlose
Entscheidend ist wieder mal die Frage, wo die Grenze zu ziehen ist. Und in welchem Kontext etwas stattfindet.
Also etwa: Wie lange darf ich vor dem Fernseher oder bei ebay abhängen, ohne in den Verdacht zu geraten, dies für abendfüllend zu halten? Oder: Bis zu welchem Alter kann sich ein arbeitsloser Akademiker glaubhaft als freischaffend ausgeben? Und, um etwas näher zum Thema vorzurücken: Wie viel muss ein Text bieten, um noch als Angebot und nicht nur als Projektionsfläche zu funktionieren?
Bei Jon Fosses Stück «Heiß», das Ende September im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt wurde, ist das nicht wirklich zu beantworten. Schon in seinen früheren Stücken ließ der 46-jährige Norweger das meiste unausgesprochen und war die dramatische Bewegung eher ein tastendes Kreisen auf engstem Raum. Diesmal aber, in seinem Auftragswerk für das DT, zielt er direkt auf das Nichts. Da ist keine Geschichte, bloß eine Situation, kein Hintergrund, bloß Fragen und Halbsätze, keine Entwicklung. Oder vielleicht doch? Aber da fängt schon die Projektion an, und für die macht an guten Tagen einfach alles etwas her.
Zwei Männer treffen sich an einem Kai. Sie vermuten, sich zu kennen, können sich ...
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Vergesst Kurt Cobain. Der Rockstar, dem in Felicia Zellers für Freiburg geschriebenem neuen Stück der übermäßige Erfolg schwer zu schaffen macht, ist ein anderer. Zwar heißt er auch Kurt wie der verewigte Leadsänger der Gruppe Nirvana (und seine Courtney heißt Courtney), und wie dieser benimmt er sich stromlinienförmig rebellisch. Drogen gehören zum Alltag wie das...
Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...
Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber...
