Marke Neureich
Oft, wenn Tim Staffel einen bekannten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meisterwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte Handlung, die Figuren, nur behauptet und konturenlos, tun ihren Dienst redlich als Erzähler.
Da war man gespannt, wie das Experiment ausgeht, wenn sich Staffel ein Drama vornimmt, um es nicht etwa als Regisseur, sondern als Autor neu zu deuten.
Shakespeares «heuchlerischer Metzger», dessen absurd-konsequentes Morden man ebenso angeekelt wie fasziniert verfolgt, scheint für Tim Staffel durchaus ein Typ von heute zu sein: als einsamer, seltsam vernunftbegabter, fast schon bedauernswerter Realist steht sein Richard inmitten einer völlig enthemmten Mischpoche, die beherrscht ist vom eigenen Ehrgeiz, verwirrt von ausufernden Machtfantasien, getrieben von der Gier nach Geld, wie wir sie zuletzt vor dreißig Jahren auf den Ranches und in den Hochhäusern von Dallas und Denver angetroffen haben. Und exakt die Karikaturen dieser ...
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Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges waren Fritz Kortner, Bertolt Brecht, Wolfgang Langhoff, Berthold Viertel, Ernst Deutsch, Carl Zuckmayer, die bekanntesten von denen, die 1933 ins Exil gegangen waren, längst wieder im Land. Die deutschen Theater spielten volles Programm, viele noch auf Behelfsbühnen – aber der Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser kam in Gang....
Wenn er hereinkam, der kleine, stämmige Mann mit dem wie poliert glänzenden Schädel im schütter gewordenen Haarkranz, den wach strahlenden Augen, dem kindlichen Lebenslust-Lächeln – dann wurde einem wohl ums Herz. Schwer, schmerzhaft zu denken, dass er jetzt tot ist. Aber sein Beispiel bleibt, das eines politischen Schriftstellers, Selbstdenkers.
István Eörsi,...
So kennt man ihn. Immer mit einem Programmheft in der Hand, das er dem Gesprächspartner auf jeden Fall zusteckt. Neuerdings legt er noch einen drauf und überrascht den Premierenbesucher mit einem Sektglas und der blauen Blume der Romantik im Revers. Man darf sinnieren, ob er mit dem blauen Touch lediglich sein «Ich krieg euch alle»-Lächeln untermalen will oder...
