In der Wortfabrik
Maeterlinck», Christoph Marthalers neues Stück am Nationaltheater Gent, wirkt wie das Antidot zu «Winch Only» (TH 8-9/06), das er im letzten Jahr in Brüssel herausbrachte.
Beides sind schlaftrunkene Welträtsel aus Melancholie und Absurdität: das Leben ein Traum, das Erwachen ein Witz und dazwischen Musik – Belgien scheint dem Schweizer gut zu tun! Doch wo in «Winch» noch alles fließt, die Szenen weich mäandern wie hingegossenes Fleisch ohne Skelett, ist die neue Arbeit streng und detailgenau komponiert, straffes Muskelfleisch und feste Knochen, Premium-Qualität für die Gourmets von Haute Cuisine und Theater. Die Aufführung wirkt wie eine «Messe für Maeterlinck», durchtränkt von Verehrung und Geheimnis, voll großer Gesten und kleiner Späße (musikalischen, literarischen und lokalen), sehr schön, sehr langsam und unendlich traurig.
Marthaler ist seit jeher von Maeterlinck fasziniert. 1994 brachte er an der Berliner Volksbühne den «Eindringling» heraus: ein Fin-de-Siècle-Panorama aus Klaustrophobie und Morbidität, wo tote Ratten aus Spitzenkrägen gezogen wurden und das Warten und die Angst als Kommunikationsträger fungierten (nach der Pause gab es Szenen von Karl Valentin – eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der Videoarbeit «Barbed Hula» aus dem Jahr 2000 gelingt der israelischen Künstlerin Sigalit Landau, 1969 in Jerusalem geboren, ein eindringliches Bild: Die nackte Künstlerin steht auf einem weiten Sandstrand. Man hört das gleichmäßige Rauschen der Wellen, während ihr in Zeitlupe drehender Rumpf einen Reifen auf Hüfthöhe balanciert. Rauschendes Strandidyll und...
Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und...
Zum ersten Mal wurde eine Handke-Inszenierung von Friederike Heller vor zwei Jahren nicht zum Theatertreffen eingeladen. Damals hatte die junge Regisseurin den grantigen «Untertagblues» frech und sehr überzeugend als zeitgenössische Publikumsbeschimpfung inszeniert. Am selben Ort (Akademietheater) und mit demselben Hauptdarsteller (Philipp Hochmair) bewies Heller...
