Daumen hoch!
Het Toneelhuis Antwerpen ist eins von drei großen flämischen Stadttheatern in Belgien – die anderen beiden sind das NT Gent (s. TH 3/06) und das KVS Brüssel. Bis zu seinem Wechsel an die Berliner Schaubühne war Luk Perceval Intendant in Antwerpen, nach einem Interimsjahr unter der Leitung des Schauspielers Josse de Pauw ist seit letztem Herbst der Regisseur Guy Cassiers sein Nachfolger.
Der ist ein Theatervisionär der besonderen Art: Seine Inszenierungen sind traumwandlerische Überblendungen von Theater und Video, Ästhetik und Aussage – eine hochartifizielle Verwandlung von Theater in Film und wieder zurück. Die Leinwand als Kommentar der Bühne, zur Bereicherung, nicht zur Banalisierung intelligent, ironisch und fantasievoll auf den Punkt gebracht. Alle Cassiers-Aufführungen, vom frühen «Hiroshima mon amour» oder «Rotjoch» über «Bezonken Rood» (TH 3/06), das im letzten Jahr in Avignon Triumphe feierte, bis zum großen Proust-Zyklus, dessen vier Teile 2005 bei der Berliner «spielzeiteuropa» gezeigt wurden, sind geprägt von jener sehr eigenen Mischung aus avancierter Ästhetik und politischem Engagement. Die sinnlich suggestive, dabei fast brechtisch distanzierte Form ist ...
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Teo Vadersens Biografie prekär zu nennen, ist fast schon ein Euphemismus. Sein Leben nahm eine tragische und doch – in Vadersens Augen – glückliche Wendung, als sich 1996 in der neunten Vorstellung von «Roberto Zucco», einer freien Produktion des Theaters Affekt, Regie Lars-Ole Walburg, ein Haken in der Seitenwand des Theatersaals im Berliner Tacheles löste und...
Langsam, fast vorsichtig nähert sich Athene. Über einen Steg zwischen den Zuschauern zur Bühne, wo ein junger Mann sitzt, auf dem Boden, und wartet: Orest. In der Nähe liegen schlafend – oder tot? – weitere Personen, während er ruhig der Göttin seine Geschichte schildert: vom Vater Agamemnon, der auf göttliches Geheiß die Tochter Iphigenie opferte; der wiederum...
Klar, dass hier nur das stehen kann, was die Geschichte der Theaterkritik einen Verriss nennt. Längst hat sich ja der Autor Rolf Hochhuth mit einer Form von Eigensinn, die ihresgleichen sucht, zielstrebig hinaus beschleunigt aus dem zeitgenössischen Diskurs; und letzthin dem Deutschen Nationaltheater in Weimar die Uraufführung des jüngsten Stückes sehr kurz vor der...
