Die Mutter aller freien Spielstätten
Bis vor kurzem residierte sie noch in einem großen, etwas schummrig beleuchteten Raum, der mit seinen langen Arbeitstischen fast einem Großraumbüro glich. Obwohl auf Grund der Gesamtmorbidezza des Gebäudes wahrscheinlich niemand auf die Idee gekommen wäre, es je so zu nennen.
Unterstrich doch die Arbeitssituation eher den Familiencharakter des Unternehmens Sophiensaele, dem Amelie Deuflhard in den vergangenen sieben Jahren als künstlerische Leiterin vorgestanden hat – seit die Mitbegründer und Immernochgesellschafter Jochen Sandig und Sasha Waltz Berlins berühmte freie Spielstätte im Jahr 2000 Richtung Schaubühne verlassen hatten.
Aus der kuschelig-maroden Immobilie in Berlins neuer Mitte hatte Deuflhard ein umtriebiges Kulturhaus gemacht, von hier aus immer wieder neue Stadträume erobert und bespielt – und sogar die Festung «Palast der Republik» genommen und (zusammen mit dem HAU) für zwei Sommer noch einmal als «Volkspalast» reanimiert. Danach konnte eigentlich nicht mehr viel kommen, und so traf es sich gut, dass für die etwas welk gewordene Mutter aller freien Spielstätten in Deutschland, der Hamburger Kampnagelfabrik, eine neue Leitung gesucht wurde. Und die Sophiensaele mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Chauvinisten sind unter uns. Lackbeschuht schlurfen sie übers Parkett aus rostblutenden Planken, die einer von ihnen wohl in einem Testosteronanfall aus seinem Schiff gebrochen hat. Schließlich ist das hier eine Männerwelt. Und da ist kein Platz für diese Gestalt, die mit strähnigem Haar und knittrigem weißen Frackhemd wie ein eingesperrtes Tier hin- und...
Die Straßenbahn namens Verlangen gibt es nicht mehr, so wenig wie die Haltestelle Elysische Gefilde, ja das ganze New Orleans gibt es nicht mehr, aber das nun hat Tennessee Williams wirklich nicht vorhersehen können. Tempi passati: Geradezu anrührend die sexuellen Sublimierungen, erschreckend die boshafte Selbstzensur in diesem sonst so detailverliebten Text. Man...
Es gibt Heerscharen von Schauspielern hier am Rio de la Plata. Sie stehen Abend für Abend auf einer von nahezu vierhundert Bühnen, verdienen mit Schauspielunterricht etwas Geld und halten sich mit anderen Brotjobs über Wasser. Und es gibt diese Mischwesen, die gleichzeitig Autor, Regisseur und Schauspieler sind. Alejandro Tantanian ist einer der bekanntesten. Und...
