Tristesse total

Euripides «Medeia»

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Die Chauvinisten sind unter uns. Lackbeschuht schlurfen sie übers Parkett aus rostblutenden Planken, die einer von ihnen wohl in einem Testosteronanfall aus seinem Schiff gebrochen hat. Schließlich ist das hier eine Männerwelt. Und da ist kein Platz für diese Gestalt, die mit strähnigem Haar und knittrigem weißen Frackhemd wie ein eingesperrtes Tier hin- und herläuft, seufzt, singt, summt, flucht und immer wieder böse nach Iason ruft. Eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, der man besser nicht mit dummen Sprüchen kommt.

König Kreon (Felix von Manteuffel) hat das leider nicht begriffen. Feist und pistazienfressend will er diese Fremde aus seinem Land vertreiben, weil ihr Mann – eben dieser Iason, der auf seinem stolzen Segler hier vor Anker gegangen ist – nun sein Schwiegersohn werden soll und von Exfrauen nichts Gutes zu erwarten ist.

Vor allem wenn sie Medeia heißen und mit weiblicher Zurückhaltung nichts am Hut haben. Zu tief getroffen ist diese von Iasons Treuebruch, als dass sie nun stillschweigend die neue Bindung dulden könnte. Aber ihre Meinung will man im harmoniesüchtigen Korinth nicht hören. «Ich sehe, du willst durchaus lästig werden, Frau», sagt Kreon und spricht ...

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Theater heute Oktober 2007
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Kristin Becker

Vergriffen
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