Bescheidenheit ist keine Zier
Bescheidenheit ist keine Zier. In der Kunst jedenfalls nicht. Und wir hatten in den letzten Jahren genug Anlässe, uns über die pragmatische Selbstbescheidung der Absolventen der Szenisches-Schreiben-Ausbildungsgänge zu beklagen, die in Serie 90-Minüter mit höchstens vier Figuren und einem höchst überschaubaren Themen- und Problemspektrum für die Studiobühnen landauf, landab produzierten.
Nis-Momme Stockmann gehörte auch dazu, als einer der Erfolgreichsten, mit seinen frühen Stücken «Der Mann der die Welt aß» und «Das blaue blaue Meer», von denen er heute nichts mehr wissen will. Er hat mittlerweile leidenschaftliche Plädoyers gehalten für eine andere Theaterkunst, die sich sehr hochfahrend versteht als «Affekt, Leben, Brand, Versuch, Zwang, Neurose (und die Begegnung mit ihr), Verzweiflung, Dummheit, Irren, Widerspruch – Liebe Liebe Liebe – diffus und dumm – überwältigend, herabwerfend, katastrophal! ... Gegen diese dumme Kultur des Verstehens, Verortens, Nutzbarmachens, Wirtschaftlichmachens.»
«Der Freund krank»: die Ich-Triade
Das erste Resultat der entschlossenen Sprengung aller Ketten namens Handlung, Sinn,
Kohärenz, Sortierung war 2011 in Heidelberg ein von Stockmann selbst ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Barbara Burckhardt
Liebe Redaktion,
Sie wollen wissen, wie es in Russland um die Zensur steht, und in wie weit Theater und andere Künste darunter leiden. Wenn ich Ihre Frage mit einem Satz beantworten könnte, würde ich sagen: Die Sache ist paradox. Einem Außenstehenden ist es fast unmöglich, sich in den Spinnwebfäden unseres politischen Lebens zurechtzufinden und insbesondere die...
Es könnte ganz einfach sein – schlicht wie der erste Satz: «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.» Im Düsseldorfer Schauspielhaus wuchtet sich erst einmal ein aus sechs Dutzend Männern und Frauen bestehender Chor in schwarzen Anzügen mit passenden Hüten aus den vorderen Parkettreihen,...
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.» So beginnt die Genesis, das erste Buch Moses, das erste Buch des Alten Testaments. Eine Schöpfungsgeschichte, die allererste Fragen klärt und ein paar grundsätzliche Herrschaftsverhältnisse gleich dazu. Hier gibt es nur einen Gott mit dem Anspruch auf Legitimität, nicht viele, die nebeneinander wirtschaften wie bei den in...
