Gesellschaft mit beschränkter Freiheit
Denkmalgeschützt ist der Komplex der ehemaligen Kölner KFZ-Anmeldestelle gewiss nicht. In seiner Verkommenheit und der Aura des Exterritorialen lag für SIGNA der Reiz, den mehrstöckigen Riegel aus Ziegeln und Beton mit bröckelnden Kanten und heruntergelassenen Jalousien für eine Performance-Installation umzuwidmen – die dritte von Signa & Arthur Köstler sowie Thomas Bo Nilsson am Schauspiel Köln. Es riecht nach Tod und Verwesung an der Herkulesstraße. Der süßliche Gestank legt sich als Duftnote über die Wartenden.
Eine Zugabe, verursacht durch die metaphorisch bedenkenswerte Nähe zum Schlachthof im Stadtteil Ehrenfeld. «Wie ein Hund» ergehe es ihm, durchzuckt als letzter Gedanke Josef K., bevor ihn das Messer seiner Henker durchbohrt. Entsprechend werden wir ab und an hinter den Fenstern Gebell hören. Aber wir Delinquenten kommen, anders als K., nach sechs Stunden heil davon. «Die Hundsprozesse» haben uns nur ganz zwanglos vereinnahmt.
Das Mitmach-Theater beginnt am Einlass zum «Vorläufigen Basalgericht». In Reih und Glied, sieben eingezeichnete Linien am Boden entlang, müssen die Zuschauer in wahlloser Sortierung: warten. Das wird auch ihre Haupttätigkeit bleiben. Warten und ...
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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Andreas Wilink
Wer gedacht hat, über Thomas Bernhard sei schon alles gesagt, wird sich wundern. In Sepp Dreissingers «Was reden die Leute» sind 58 Begegnungen mit Nachbarn, Freunden, Bekannten versammelt, die sich an den Schriftsteller, Dramatiker, Grundbesitzer und österreichischen Hassliebenden erinnern. Zum Beispiel der Maler Gerhard Weigl, der Bernhard Mitte der 60er Jahre...
Amsterdam 1972. Gerade erst wurde die Pille erfunden und der Mond bereist, junge Menschen sind im Schlamm von Woodstock zu Jimi-Hendrix-Klängen übereinander
hergefallen, und kein Mensch wundert sich ernsthaft darüber, dass Lea nun schon zum dritten Mal heiratet. Auch nicht darüber, dass ihre Exmänner Alexander und David ebenso zur Hochzeit eingeladen sind wie...
Man kann sich das so vorstellen: In der Nacht von Sonntag auf Montag wird es eng auf
der A5. Baukolonnen aus dem Osten reisen an, um in der Frankfurter City die Patrizierhäuser wohlhabender Bürger zu sanieren. Ricki, Uli und Rudi zum Beispiel sollen die immobile Erbschaft eines jungen Wessis auf Vordermann bringen. Im Moment allerdings geht es nicht so recht voran....
