Mini- und Maximalismus

Jüdische Ironie, italienisches Pathos: Stephan Kimmig erzählt Judith Herzbergs große Familientrilogie «Über Leben» am Deutschen Theater Berlin; Antú Romero Nunes vertheatert Viscontis Epos «Rocco und seine Brüder». von Eva Behrendt

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Amsterdam 1972. Gerade erst wurde die Pille erfunden und der Mond bereist, junge Menschen sind im Schlamm von Wood­stock zu Jimi-Hendrix-Klängen übereinander
hergefallen, und kein Mensch wundert sich ernsthaft darüber, dass Lea nun schon zum dritten Mal heiratet. Auch nicht darüber, dass ihre Exmänner Alexander und David ebenso zur Hochzeit ein­geladen sind wie Dory, die erste Frau ihres Mannes Nico: Man bleibt befreundet, ob man nun gerade zusammenfindet oder sich verlässt. Eine gelebte Utopie, vielleicht.

Oder doch eher der Zwang einer – ausgerechnet! – «Schicksalsgemeinschaft»?


    Der 14. Gast

Es dauert eine ganze Weile, bis das weit verzweigte Personal von Judith Herzbergs Familientrilogie, die Stephan Kimmig am Deutschen Theater unter der Überschrift «Über Leben» inszeniert hat, durchschaubar wird. Dreizehn Personen, teils verwandt, teils befreundet oder angeheiratet, stehen im ersten Teil, «Leas Hochzeit», im fast leeren, von Katja Hass nur durch Sperrholzwände modellierten Bühnenraum und entwirren ihre komplizierten Beziehungen allein durch knap­pe Dialogfragmente. Als wäre er ein unheimlicher 14. Gast, taucht darin immer wieder der Holo­caust auf: Ada und Simon haben das ...

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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt

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Programmhinweise

Donnerstag, 2.
20.15, ZDFkultur: zdf.kulturpalast – Performing Arts & More, mit Pegah Ferydoni
(vgl. die Seiten 46–48 in diesem Heft)
20.45, ZDFkultur: Via Intolleranza II – von Christoph Schlingensief. Aufzeichnung vom Theatertreffen Berlin 2011
(vgl. TH 10/10+5/11)
22.15, ZDFkultur: The African Twintowers – Projekt (2009) von Christoph Schlingensief, mit Irm...