Die Kunst des Manierismus
Der Schauspieler (und gelegentliche Regisseur) Fritz Schediwy ist am 23. Mai bei einer Lesung aus der Autobiografie «Wilfried Minks. Bühnenbauer» im Foyer des Berliner Schillertheaters zusammengebrochen und starb kurz darauf an einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Geboren am 24. Februar 1943 in Prag, debütierte er 1969 am von Kurt Hübner geleiteten Theater Bremen, spielte dort unter anderem Schillers Don Karlos und den Malvolio in Shakespeares «Was ihr wollt».
Bei Peter Zadek in Bochum (1973 bis 1978) trat er als der böse Bruder Edmund im «Lear» und als Brack in Ibsens «Hedda Gabler» auf und traf dort auf den Regisseur Augusto Fernandes. Bei ihm spielte er u.a. 1974 den ungetreuen Verlobten der Doña Rosita in García Lorcas Stück, einen geleckten, beherrschten Dandy mit langsamen, aber gestochen genauen Bewegungen, in kerzengerader Haltung, doch nicht unbequem gereckt: die Verlebendigung einer Modejournal-Figurine.
Exzessivität, Energie und Emotion
Es folgten 1978 bis 1980 zwei Spielzeiten am Düsseldorfer Schauspielhaus, wo Schediwy 1979 in Roberto Ciullis Inszenierung der Euripides-«Alkestis» König Admetos war, der sich weigert, anstelle seiner Frau in den Tod zu gehen. Inmitten ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Magazin: Nachruf, Seite 63
von Henning Rischbieter
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Ein bisschen fühlt man sich an den Film «The Truman Show» erinnert, wenn man mit seinen Kopfhörern die Konferenzhalle betritt und plötzlich auf Kanal 8 des «Radios der Untoten» letzte Regieanweisungen vor der Performance hört: «Zuschauer sind drin, Licht aus und Start». Denn vor die lebenden Toten und die Übergänge zwischen Leben und Tod haben die Macher des...
