Ehrenhampelmänner

Stefan Bachmann überdreht Ibrahim Amirs Ehrenmordkomödie «Habe die Ehre», Volker Lösch informiert in «Waffenschweine» über Risiken und Nebenwirkungen von Studentenverbindungen

Theater heute - Logo

Über Morde lacht man nicht. Mord als Unterhaltung gibt es nur im Krimi- oder Horrorgenre. Und Ehrenmorde gar, die moralisierten Grausamkeiten, sind in Deutschland Anlass für reale Justiztragödien (Berliner Ehrenmord an Hatun Sürücü) oder pädagogisch wertvolle Jugenddramen (Lutz Hübners «Ehrensache») oder für verfassungsrechtliche Auseinandersetzungen über das Verhältnis des postmortalen Persönlichkeitsrechts zur Kunstfreiheit (Hagener Mädchenmord). Aber nicht für Komödien.

Ibrahim Amir wollte auch keine Komödie schreiben.

Aber unter der Hand ist ihm eine schrille, schnelle Komödie gelungen, mit pointierten Dialogen und allen dramaturgischen Tricks der Meister des Genres wie Ayckbourn oder Dario Fo, ohne dass das Thema verharmlost würde oder man sich in rechtgläubige moralische Überlegenheit flüchten könnte. Das liegt auch daran, dass hier niemand von außen auf die Parallelgesellschaft blickt. Amir ist der Herkunft nach syrischer Kurde und hat einen Ehrenmord als Kind in Syrien erlebt. Heute ist er Arzt und Schriftsteller in Wien.

Paralleles Unverständnis

2013 wurde sein Stück «Habe die Ehre» von dem kleinen Wiener Theater Nestroyhof Hamakom uraufgeführt (s. Th 4/13). Nun hat Stefan ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Don’t make me fertig

Wie viel Menschen direkt oder indirekt für den Coltan-Abbau im Osten des Kongos ihr Leben gelassen haben, weiß niemand genau. Unter nicht vorhandenen Sicherheitsbedingungen schürfen dort unter anderem Kinder nach dem seltenen Erz, ohne das kein Gerät unserer schönen neuen elektronischen Welt funktionieren würde. Minen stürzen ein, Bürgerkriege toben um den Zugang...

Alles Tand

Am Bremer Landgericht hängt seit 1890 ein Glasmosaik, auf dem die Zehn Gebote verzeichnet sind. Angeblich hätten die Nationalsozialisten von den Bürgern verlangt, dieses Symbol eines Primats göttlicher vor weltlicher Macht zu zerstören, die Bremer aber hätten die Tafeln einfach mit Steinplatten verhängt und die Zer­störung nur behauptet. Ob an der Geschichte was...

Zukunft im Gepäck

Nur Näherungen kann es geben beim Nachdenken über Horst Sagert, Näherungen an einen Künstler, dessen Werk im Unaufschließbaren geblieben ist. Sagert wollte dem Geheimnis des Lebens, seines Lebens, auf den Grund kommen. Dafür stellte er Fragen, immer wieder Fragen. Auch und zuerst an sich selbst. Antworten gab er nicht. Er scheute keine Anstrengung, im faustischen...