Scheitern als Chance
Es gibt Kunstwerke, die sind interessant, weil sie ihre Zuschauer ästhetisch in den Bann schlagen, und es gibt Kunstwerke, die sind interessant, auch wenn sie das nicht tun. Dries Verhoevens vorzeitig abgebrochene Performance für die Programmreihe «Treffpunkte» am Berliner HAU gehört definitiv zur letzten Kategorie.
«Wanna Play?» wird wohl als das interessanteste abgebrochene Theaterprojekt des Jahres in Erinnerung bleiben – auf Anfrage bekommt man eine noch unvollständige, aber schon 139 Seiten lange Pressemappe vom Medienbüro des Theaters – und als eines, das etwas bewerkstelligte, was Theater heute leider immer weniger kann: Und zwar ein breites öffentliches Gespräch zu provozieren, in dem es um Fragen geht, die Menschen tatsächlich bewegen.
Fünf Tage lang – geplant waren 15 – lebte Verhoeven in einem Glascontainer auf dem Berliner Heinrichplatz und ließ sich dabei beobachten, wie er schläft, isst, duscht, auf Toilette geht – und mithilfe seines Smartphones über die schwule Sex-App Grindr und andere Datingportale nach zwischenmenschlichen Kontakten sucht. Die Chats waren für die Zuschauer auf einer LED-Anzeige unter der Decke des Containers mitzulesen, die Profilfotos der ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Daniel Schreiber
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