Das Wunder von Frankfurt
Es ist die nämliche Atmosphäre von Biedersinn und Bedrückung, von Wiederaufbaustolz, Verdrängung und versäumter psychischer Trümmer-Beseitigung, die auch Sönke Wortmanns «Das Wunder von Bern» nachzeichnet. Bei Wortmann geht es, ganz banal, um die Fußball-WM 1954, in Giulio Ricciarellis Film «Im Labyrinth des Schweigens», der wenige Jahre später spielt, um die Enthüllung der Nazi-Verbrechen und die Vorbereitung der Frankfurter Auschwitz-Prozesse durch die hessische Staatsanwaltschaft.
Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, aus dem schwedischen Exil zurückgekehrt in «Feindesland», Jude und homosexuell, macht es sich zur Aufgabe, von Deutschland «den Zuckerguss» abzukratzen. Dafür wird er geschmäht und bedroht. Er überträgt (hier wird Ricciarellis Drehbuch fiktiv) die Leitung der Untersuchungen dem jungen, arglos blonden Johann Radmann, dessen Ehrgeiz in der Bearbeitung von Verkehrsdelikten ungestillt blieb. Zusammen werden sie Gerichtstag halten über das eigene Volk. Wobei der Widersinn ist, kollektive Schuld individuell nachweisen zu müssen. Wo zeigt ein Fotodokument nachweislich eine bestimmte Person, wo belegt eine Unterschrift eine Mordtat, wo lässt sich jemand eindeutig durch einen ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Andreas Wilink
Auf dem Weg vom Zentrum in den Süden der Stadt passierten die Heidelberger jahrzehntelang einen Stadtteil, der sich gegen den Rest der Kommune zu wehren schien, als wollte er sich ausgrenzen. Von Integration keine Rede. Und was man sich nicht so alles von dieser Welt da drinnen erzählte: Der Vietnamkrieg sei dort organisiert worden, später dann der im Irak und in...
Es gibt Kunstwerke, die sind interessant, weil sie ihre Zuschauer ästhetisch in den Bann schlagen, und es gibt Kunstwerke, die sind interessant, auch wenn sie das nicht tun. Dries Verhoevens vorzeitig abgebrochene Performance für die Programmreihe «Treffpunkte» am Berliner HAU gehört definitiv zur letzten Kategorie. «Wanna Play?» wird wohl als das interessanteste...
Dänemark wird ausgeleuchtet bis in den letzten Winkel. Und der Zuschauer hat trotzdem keinen Überblick: Er sitzt vor einem schwarzen Kasten mit den Gruselbuchstaben «Helsingör» drauf und sieht nur die manipulierten Kamerabilder auf Split Screens (Kamera-Konzept/Video-Art/Programming/Live-Schnitt: Daniel Hengst). Nur ab und zu stolpert mal ein Schauspieler heraus....
