Festival I: Weicheier und Widerstand
Sie sind ein Bild unerschütterlicher Ruhe und Widerstandskraft: Die Kühe, die der japanische Theatermacher Akira Takayama auf schlammigen Weiden, 14 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt, gefilmt hat. Dass sie noch leben, «verdanken» sie, wenn man so will, dem nuklearen Super-GAU im Jahr 2011. Ihr Fleisch ist als atomarer Sondermüll unverkäuflich, und versorgt werden sie vom Besitzer der über alle Grenzwerte verstrahlten «Farm der Hoffnung», der auf eigenes Risiko in die sonst menschenleere Sperrzone zurückgekehrt ist.
In Takayamas Videoinstallation «Happy Island» (so lässt sich «Fuku Shima» übersetzen) kann man sie nun im Münchner Muffatwerk zur Eröffnung des Spielart-Festivals sehen und sich von ihrer stoischen Renitenz, allen Katastrophen zum Trotz, anstecken lassen.
Kunst und Widerstand bzw. «Art in Resistance» ist auch ein Schwerpunkt der diesjährigen elften Ausgabe des Festivals, das alle zwei Jahre internationale Theaterproduktionen, immer auch mit Blick auf die gesellschaftspolitische Gesamtgemengelage, nach München bringt. Standen vor zwei Jahren unter dem Motto «Wake up!» noch Visionen des Aufbruchs in ein anderes Europa zur Debatte, so zieht der diesjährige ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Silvia Stammen
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Je mehr ich mich bemüht habe, desto weniger konnten sie es ertragen. Und plötzlich fühlte ich, dass ich sie genauso entfremde, wie sie im alltäglichen Leben entfremdet werden, wenn Leute sie dazu bringen, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen», erklärt der Choreograf Jérôme Bel zum Hintergrund der Inszenierung «Disabled Theater», seiner Zusammenarbeit mit dem...
Eigentlich wollte er ja nur mal eine Weile rumhängen, gar nichts machen, dieses vermutliche Alter Ego von Falk Richter, das da auf dem Laufsteg in der Schaubühne kauert. Rumhängen in der neuen Wohnung, Serien gucken, im Internet surfen. Und dann sind sie über ihn hergefallen, die «True Detectives» mit ihrer schwarzen, schwarzen Weltsicht, die er so gruselig...
