«Da ist zunächst einmal eine neue Energie»
«Die Leute von der Bürgerbühne bringen eine Realität mit, die wir so in ihrer Vielfalt nicht erfahren würden.» (Wilfried Schulz)
Hajo Kurzenberger Es wird fortwährend darüber nachgedacht, wie man das Theater weiterentwickelt und wie die Reaktion des Theaters auf die gegenwärtige gesellschaftliche Situation aussehen sollte. Soziologen konstatieren die gesellschaftliche Fragmentarisierung, die Heterogenität der Gesellschaft, also die Auflösung der vermeintlich geschlossenen Bürgerlichkeit.
«Global» statt «lokal» ist das Schlagwort. Was hat das für eine Konsequenz für das Theater und damit auch für das Verständnis Ihrer Arbeit?
Ulrich Khuon Diese prinzipiellen Thesen, die umfassend für alle Städte in Deutschland sprechen wollen, sind heikel und zu flach. Zwischen so unterschiedlichen Städten wie Münster, Nürnberg oder Berlin liegen doch Welten. Freilich gibt es Tendenzen. Die sind aber immer dialektisch. Das heißt, die Bewegung lokal oder global verläuft gleichzeitig. Heterogenität kann man als Bedrohung oder als Lust empfinden. Dass sich zum Beispiel Kieze entwickeln, macht eher deutlich, dass eine Mehrzahl an Menschen Heterogenität gar nicht als produktive Herausforderung ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Bürgerbühnen, Seite 46
von
Die Berliner (Kultur-)Politik bot im Februar einen für Außenstehende seltsamen Anblick. Erst hatte eine Boulevardzeitung herausgefunden, dass das unversteuerte Schweizer Konto des Kulturstaatssekretärs André Schmitz 2012 bei einer Bankrazzia aufgeflogen war und der hohe Amtsträger das folgende staatsanwaltschaftliche Ermittlungs–verfahren seinem Regierenden...
Das erste literarische Genre, das Rebekka Kricheldorf beherrschte, war das Schmähgedicht. «Es lebte einst, ich weiß nicht wo / ein Mensch, der hieß Gorilla-Joe / Er war nicht schön, er war nicht klug / doch Haare hatte er genug / Die hingen tief ihm ins Gesicht / So sah er nie das Sonnenlicht.» Dieses lyrische Frühwerk beispielsweise entstand Mitte der achtziger...
Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...
