Der ungelöste Fall
Nachdem in Schreibmaschinenschrift die Basis-Informationen zu diesem Aktenzeichen XY …ungelöst auf den eisernen Vorhang getippt worden sind, öffnet sich die Schleuse und gibt Einblick in ein verschollenes Archiv. Ein gigantischer Aktenschrank mit einer unendlichen Zahl von Schubladen reicht bis zur Bühnendecke und darüber hinaus. Gras und Schmutz fällt von oben herunter, mit einer Bergsteigerausrüstung klettert Mattias Schamberger als Ermittler herab in dieses Seelenbild (Bühne: Jorge Enrique Caro).
Denn die Schubladen stehen nicht nur für reale Akten, sondern für die Ablage des Gedächtnisses, das ähnlich wie eine Bibliothek nur funktioniert, solange die Verknüpfungen zu den gespeicherten Erinnerungsepisoden noch vorhanden sind.
Einen Ermittler lässt eine längst abgeschlossene Untersuchung nicht los. Jahre später quälen ihn die Stimmen der Menschen, die er vernommen hat, um einen mysteriösen Kriminalfall aufzuklären. Die apathischen Flüchtlingskinder beschäftigten Anfang des Jahrtausends nicht nur die schwedische Presse. Kinder, deren Eltern abgeschoben werden sollten, fielen in eine seltsame Gleichgültigkeit. Experten stritten über die Gründe auch deshalb so heftig, weil dieses ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Alexander Kohlmann
Vor das Entree der Bochumer Jahrhunderthalle schiebt sich wie ein Keil ein zehn Meter hoher schmaler, lichtweißer Treppenbau, der gleich von den Besuchern bunt besetzt wird. Die von Mischa Kuball entworfene Frei- und Showtreppe sorgt gewissermaßen für eine Umkehrung der Verhältnisse. Nicht Stars und Künstler absolvieren auf dieser «Agora Arena» ihren Auftritt,...
In der Nacht zum fünfzehnten August, etwa ein Monat vor seinem Tod, erzählte mir Otto Sander im Traum, daß sein erster Auftritt in der darstellenden Kunst bereits 1941, kurz nach seiner Geburt, stattgefunden habe. An der Seite des damals berühmten Paul Kemp sei er in den Anfangssequenzen eines Ufastreifens das schreiende Baby, ein Findelkind, gewesen, das den...
Vor sieben Jahren inszenierte Tina Lanik am Schauspiel Frankfurt die Uraufführung von Thomas Jonigks «Hörst du mein heimliches Rufen». Man kennt sich also, und es sieht so aus, als sei jetzt, da es am Münchner Residenztheater um Jonigks neuestes Stück ging, von Seiten der Regisseurin so was wie Leidensfähigkeit im Spiel gewesen. Das braucht es auch, will man beim...
