Voll Yesterday
In seinem Erstlingswerk «Krauses Erzählungen» stellt sich der 31-jährige Daniel Gurnhofer – Doktorand der Erziehungswissenschaften – einen «arbeitslosen Melancholiker» namens Krause vor, der seit zehn Monaten seine Wohnung nicht verlassen hat. Infolge ausufernden Drogenkonsums wird Krause in seiner mit Pizzakartons zugemüllten Bude, die wiederum dem Regisseur Sascha Hawemann zum Stichwort «arbeitslos» eingefallen ist, nacheinander von drei Zwergen, Gott und einer Theatergruppe heimgesucht.
Sagt die Schauspielerin Sandy zum Regisseur Victor: «Ich hatte mal einen Erste-Hilfe-Kurs.» Darauf er: «Gut zu wissen. Für Mund-zu-Mund-Beatmung bist du meine erste Wahl.»
Dafür, dass sich über Humor angeblich streiten lässt, sah zumindest die Fachwelt in der «Langen Nacht der Autoren» am Deutschen Theater sehr einhellig deprimiert aus. Die diesjährige Alleinjurorin Elke Schmitter hatte sich – «Make me laugh!» – Komödien gewünscht.
Und vor Gurnhofer hatte sich bereits Judith Kuckart – Autorin preisgekrönter Romane –
unter dem Motto «Paradiesvögel» ertragsarm über eine Schuhverkäuferin, einen Bratfischbudenbesitzer, einen ausgemusterten Polizisten und weitere Reißbrett-Existenzen eines ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Christine Wahl
Die freie Theaterszene hat kein Geld, aber bei ihrem größten Festival, den «Impulsen», kann man es sich richtig gut gehen lassen. Erdbeerbowle zur Eröffnung, Pakora und Papadam beim Inder um die Ecke mit God’s Entertainment, Wurstjause bei den Rabtaldirndln, Pangasius auf Spinat beim Bus-Marathon zu Stücken in Köln, Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr – drei der...
Glühlämpchen blinken, die Bodengoldfolie glitzert, der Vorhang spannt sich rot und weiß – eine breit gestreifte Beleidigung für jedes Auge, ausgenommen Freunde der Baumarktmarkise. Ein Theaterstück, das freiwillig in so einem Ambiente spielt, das kann nur schrecklich oder schrecklich lustig sein. Ausgenommen ein Stück von René Pollesch. Das ist dann schrecklich...
Wahrscheinlich geht es nur noch als Popsong: Wenn Lena Schwarz in den Bochumer Kammerspielen zur Jungfrau von Orléans anhebt, der Liebe und dem gesunden Landleben entsagt, um als eiserne Jungfrau mit höherer Botschaft Frankreich zu retten, dann steht sie links vorne an der Rampe, spricht und schnauft in ein Mikro, mischt sich selbst mit Echoschleife in einen...
