Plastiksessel im Schinkel-Bild
Angst haben wir alle. Wer weiß, dass er ein Einzelner ist, hat sie: eine Grundbefindlichkeit des modernen Individuums. Das gilt auch soziologisch: Je freier eine Gesellschaft, je individualisierter, desto mehr diffuse Angst. Das zeigt uns auf belustigende Weise das Stück «Aufzeichnungen aus einer Doppelhaushälfte». Verfasst hat es eine «Anna Behringer», inszeniert hat es Thirza Bruncken. Am Dortmunder Theater spielt man das Versteckspiel um die pseudonyme Autorin mit Vergnügen.
Variantenreich ist die Anlage der Kurzszenen: Monologe, in denen ohne Punkt und Komma Gedankenfetzen wie automatisch aufgeschrieben sind, echte symmetrische Dialogszenen und oft komplementäre Scheindialoge: Eine(r) spricht, der, die andere schweigt mit Stummelsätzen. Die Themen sind banal, aber alle Szenen bohren sich zu einer höhnisch absurden Pointe durch. Ein Nachbar beschwert sich über die Anpflanzungen seiner Nachbarin mit detaillierter juristischer Sachkenntnis und wettert schließlich gegen die mondförmige Gartenlampe, weil sie ein islamistisches Signal sei. Eine Nachbarin, deren Kind von dem harmlosen Hund nebenan etwas gekratzt wurde, fordert die Tötung des Hundes, weil nur so mit absoluter ...
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