Wut war mal
«Bell doch mal!», sagt der Typ im Anzug auffordernd. «Bell mal, so richtig laut, wütend, aggressiv!» Wie Coachs so reden. Der Response der Klienten ist allerdings unbefriedigend: ein klägliches «Miau!», ein leises Röcheln, müdes Wauen. Wut war mal.
Knapp zwei Wochen nach einer Bundestagswahl, bei der 15 Prozent des Wahlvolks einen denkbaren Zorn auf deregulierende Finanzkrisenverursacher in die höchste Bestätigung (neo-)liberalen Denkens der Nachkriegszeit umgemünzt hatte, traf «Trust» wie die Faust aufs Auge des weltumspannenden Vertrauensverlusts, der hierzulande einfach keine Folgen zeitigen will. Und mitten ins Herz der Vertrauenskrisen im heimischen Wohnzimmer. Denn das Schlingern des englischen Titelbegriffs zwischen eiskaltem «Großkonzern» und herzerwärmendem «Vertrauen» übersetzen Autor/Regisseur Falk Richter und Choreografin Anouk van Dijk in ihrer zweiten Zusammenarbeit, neun Jahre nach «Nothing hurts», in Sprache und Körper, in denen sich das kollektive Wutversagen im privaten Verstummen spiegelt. Der betrogene Kay bringt folglich auch nicht mehr als eine schlaffe «Miau»-Haltung zustande, wenn ihm Gattin Judith bestgelaunt mitteilt, dass sie gerade mit dem x-ten ...
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Das Verdrießliche an Polemiken ist ihre Sogwirkung. Erst werden mit härtesten Sprengköpfen Tunnel in die Diskurslandschaft geschlagen, nur damit anschließend eine Reihe von Erwiderungen wie mit Grubenlämpchen ausgestattet genau diesen Tunnel abschreitet. Frischluft wird da schnell zur Mangelware. So geschah es zuletzt anlässlich des Interviews von Thilo Sarrazin in...
Es war ein Schachzug von Erhard Friedrich, mit dem zusammen ich 1960 «Theater heute» gegründet hatte. Davon, dass Siegfried Melchinger Anfang 1963 Mitherausgeber der Zeitschrift wurde, versprach sich der Verleger Friedrich mehr Leser aus dem Bildungsbürgertum und damit einen Zuwachs an seriösem Ansehen für die Zeitschrift. Und vielleicht auch ein Gegengewicht zu...
Auf den fünf Monitoren, die in die fünf Drehwände auf der Bühne eingelassen sind, sieht man nacheinander die Köpfe der Beteiligten. Es sind Schauspieler und Musiker am Bochumer Schauspielhaus, die sich hier vor der Videokamera als Privatpersonen vorstellen, erzählen, was sie von der Produktion «Superstars» erwarten, dass sie kein Instrument spielen oder nicht...
