Innehalten!

Zur Eröffnung der diesjährigen Autorentheatertage im Deutschen Theater liest Juror Till Briegleb dem Betrieb die Leviten

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Liebe Freunde der zeitgenössischen Dramatik,

erlauben Sie mir, dass ich wie jeder hilflose Redner, der seine Zuhörer später mit ein paar ernsten Thesen langweilen muss, mit einem Witz beginne. Eine Mutter fragt ihren kleinen Sohn, was er sich zum Geburtstag wünscht. Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Ich hätte gerne ein o.b.!» Die Mutter sieht den Jungen entgeistert an: «Weißt du denn überhaupt, was das ist?» Der Sohn etwas verlegen: «Nicht genau.» «Aber warum willst du dann einen zum Geburstag haben?» fragt die Mutter.

«Weil ich gelesen habe», antwortet der Junge, «dass man damit reiten, schwimmen und radfahren kann.»
Sie dürfen nun mit einigem Recht fragen, was dieser Witz mit der Situation in der deutschen Gegenwartsdramatik zu tun hat. Für mich beschreibt er pointiert das Missverständnis zwischen schönen Träumen und falschen Suggestionen auf einem Markt, dessen Angebot durch Täuschung Enttäuschungen produziert. Und diese Situation erscheint mir doch in großen Teilen deckungsgleich mit dem, was wir seit einigen Jahren in ständig beschleunigter Form auf dem Autorenmarkt für Theaterstücke erleben. Die Träume junger Schreiber von galoppierendem Erfolg treffen hier auf ...

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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 98
von Till Briegleb

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