Finanzen: Kritik der steuer­lichen Vernunft

Frank-Patrick Steckel kämpft gegen die Umsatzsteuer für Regisseure

Theater heute - Logo

Den 17. Oktober 2006 dürfte der Regisseur Frank-Patrick Steckel in unguter Erinnerung behalten. Der immer streitbare Regiekünstler, berufslebenslang an den dunklen Ecken der Aufklärung interessiert, war in besonders dämmriges Gelände geraten, nämlich die Jagdgründe des Berliner Finanzamts Zehlendorf.

Im Kern ging es um die Frage, ob ein freischaffender Regisseur umsatzsteuerpflichtig ist. Die Einschätzung der jeweiligen Finanzämter unterscheidet sich da sehr.

Manche betrachten die freischaffenden Regiekünstler in ihrem Spren­gel als nicht umsatzsteuerpflichtig, andere erheben sie mit dem ermäßigten Steuersatz, wieder andere nutzen ihren Ermessens- spielraum und lassen das Damoklesschwert der vollen 19 Prozent herniedersausen. Dazu muss man wissen, dass die Theater als öffentlich bezuschusste, künstlerisch produzierende Einrichtungen selbst nicht umsatz- steuerpflichtig sind und ein angestellter Hausregisseur auch nicht; warum sollte also der Gastregisseur S. es sein?

Im konkreten Fall ging es um eine Opern­inszenierung 2004 in Mannheim, für die der Vernunftliebhaber Steckel keinen Umsatzsteuer­anteil mehr auf sein Honorar abgeben wollte. Die Zehlendorfer Finanzwächter sahen das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Düsseldorf: Schauspielhaus (Kleines Haus)

«Ich wähle die größtmögliche Übertreibung», schreibt Tine Rahel Völcker, «um dem, was ich nicht zu denken wage, möglichst nah zu kommen.» Einen Tag vor der Premiere ihres Stücks druckte das «Handelsblatt» einen Aufsatz von Francis Fukuyama unter dem Titel «Warum Staaten aufsteigen und fallen». Fukuyama übertreibt nicht. Frappierend nüchtern erläutert der politische...

Constanza Macras: Mein HAU

Gleich in der ersten HAU-Saison fing ich an, dort zu arbeiten. Matthias Lilienthal hatte «MIR – a Love Story» gesehen und traf mich auf einen Kaffee. Er hatte eine Idee, als er hörte, dass ich informell Kinder zumeist arabischer Herkunft in Neukölln unterrichtete, und wollte, dass ich daraus eine Inszenierung mache.

Es wurde die allererste Auftragsarbeit für meine...

Achsenmächte in Balance

Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz...