Achsenmächte in Balance
Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz unter dem Schock der einstürzenden New Yorker Zwillingstürme, wie ein scheues Reh nach allen Seiten spähte und für einen kurzen Moment die nervös-ängstliche Seite des Machtpolitikers durchscheinen ließ.
Das war einmal. Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Tag, der die westliche Welt veränderte, überschreibt das Mannheimer Schauspiel eine Reihe neuer englischer und US-amerikanischer Theatertexte, die es zur deutschen Erstaufführung bringt, mit «Die Achse des Guten». Man kann die Überschrift auch als Drohung verstehen: Wie sieht das ungetarnte amerikanische Gutmenschentum aus?
Sexuelles Familienkonzil
Die Reihe startete früh in der Spielzeit mit Sharr Whites «Der andere Ort». Darin steht das Demenz-Schicksal einer Ärztin stellvertretend für jenes schwarze Loch des Vergessens, in das auch Gesellschaften starren können. Dann ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Jürgen Berger
Walter Scheel saß in den 70er Jahren hoch auf der gelben BRD-Kutsche und hat trotzdem nie singen gelernt. Der deutschen Fernsehshow-Industrie war das egal, Scheel durfte das Volkslied «Hoch auf dem gelben Wagen» fürs ZDF verballhornen. Etwa zur selben Zeit gewann Elfriede Jelinek schreibend Abstand von ihrem toten Vater und ist trotzdem nie mit ihm fertig...
Der Waldorf-Schüler, Ex-Barkeeper und Auto-Didakt Juri Sternburg, Berliner vom Jg. 1983, hat sich in einem Interview einmal einen «sinnsuchenden Alles- und Nichtskönner» genannt. Unter dieses Label könnten vermutlich auch Andrej und Igor schlüpfen, zwei merkwürdig vage zwischen Fick dich! und Shakespeare changierende Junkies, die ihre Sinnsucherfragen an keinen...
Ganz Charlottengrad ist auf den Beinen. Mit Pelzkrägen, High Heels und Dekolletés, die tief zwischen hochgeschnürte Brüste blicken lassen. Mit Kussmündern, vielleicht nachgespritzt, und reichlich blauem Lidschatten. Überhaupt, mit Farbe! Kurvenschmeichelndes Grün, frivoles Pink und leuchtendes Sonnengelb, passend zur nachtschwarz gefärbten Haarpracht. Dazu...
