Mainz: Die Rache des Opfers
Wie kann ein monströses Verbrechen gesühnt werden? Und sein Opfer befriedet? Der Film «Am Sonntag bist du tot» von John Michael McDonagh findet überraschende Antworten auf diese Fragen: Hier soll ein Unschuldiger für die Verbrechen eines anderen sterben. Im Beichtstuhl kündigt ein Mann Priester James Lavelle an, ihn in sieben Tagen zu ermorden – um sich zu rächen dafür, dass er als Kind jahrelang von einem katholischen Priester missbraucht wurde. Diese Rache sei umso öffentlichkeitswirksamer, so der Drohende, wenn sie einen Unschuldigen trifft.
Ob er sich professionelle Hilfe geholt habe? – Nein. «Vielleicht will ich es gar nicht, damit klarkommen. Vielleicht will ich gar nicht damit leben können.»
Dieser Dialog eröffnet den Film, der Stellvertreterfragen konsequent und brutal zu Ende denkt. Kann der Repräsentant einer Institution für Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, die in ihrem Umfeld geschahen? Ist er indirekt mitschuldig? «Das ist die Kirche, das bin nicht ich», ruft Lavelle einmal, doch man darf bezweifeln, ob die Dinge so einfach stehen. Als der Film 2014 in die Kinos kam, wirkte er verstörend in seiner Ruhe und Elegie. Er kommentiert nicht, er urteilt nicht, er ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Esther Boldt
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