Illusion als Überlebenschance

Ein Nachruf auf Walter Schmidinger

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Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst» – den Klang der Stimme, die diese Worte sagte, habe ich noch im Ohr, es war wie eine Urteilsverkündung, jedoch ohne Revision – «dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze …». Und doch wandelte sich die apodiktische Haltung in eine Verheißung: «Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.»

Walter Schmidinger sprach Schillers Prolog zu «Wallenstein» und zu Peter Steins Inszenierung am Berliner Ensemble. Seine Stimme füllte wie ein klarer Gesang die riesige Kindl-Halle in Neukölln.

Es war einer seiner letzten Auftritte, in dem er gleichsam beschwörend auch selbst Bilanz zog. Ernst ist das Leben … Walter Schmidingers Leben war ernst im wahrsten Sinne des Wortes, es war ein wüstes, heftiges, zerrissenes, gefährdetes Leben, jederzeit von riskanten Abstürzen und Unverständnis bedroht. Und es war ein Leben voll überraschender, aber auch erkämpfter überwältigender Glücksmomente. Immer der Angst abgetrotzt, einer Angst, die sein Leben grundierte wie eine traurige Melodie und die er immer wieder durch sein Spiel auszulachen oder zu bannen versuchte.

«Die seelischen Gefährdungen gehören zu meinem Leben, das Bewusstsein von diesen Gefährdungen hat ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 48
von Hermann Beil

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