Der kunstkritische Aktendeckel

Das Theatertreffen-Kriterium «bemerkenswert» ist bemerkenswert schwammig. Genau deshalb ist es unübertroffen! von Franz Wille

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Im Herbst 2010 muss das Vertrauen der Theatertreffen-Leitung in die siebenköpfige Theatertreffen-Jury auf einem historischen Tiefpunkt angekommen sein. Woran das gelegen haben mag, ist schwer zu sagen, aber Vertrauen ist nun einmal kostbar und entsprechend flüchtig. Jedenfalls teilte die tapfere TT-Organisatorin Barbara Seegert auf der Jury-Sitzung im Oktober mit einem feinen Lächeln ein Blatt aus, auf dem endlich einmal ordentliche Jury-Kriterien standen. TT-Leiterin Iris Laufenberg blickte ernst, TT-Intendant Joachim Sartorius grandseigneural versonnen. Die Wirkung war entsprechend.

Die versammelten Kritiker-Subjekte hatten so eine narzisstische Kränkung noch nicht erlebt. Die langjährig gepflegte Urteilskraft schnöde ersetzt durch eine kleine Checkliste, die endlich klärt, was in der deutschsprachigen Theaterwelt «bemerkenswert» genannt werden darf? «Sie müssen zum Schluss auf eine Gesamtzahl von insgesamt 16 Punkten kommen.»

Das System war überraschend einfach und dürfte problemlos jeden Vermittlungsausschuss passieren. Man unterscheide die Bemerkenswerthaftigkeit einer Inszenierung zunächst zu gleichen Teilen in Regie, Darstellung, Ausstattung und gestatte am Ende – der humane ...

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Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 14
von Franz Wille

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