Das Material beherrschen
Weil ein guter Freund nicht richtig weiter weiß mit seiner Schülerin, bat er mich, einen Blick auf sie zu werfen und sie wenn möglich zu übernehmen, was natürlich auf einer gewissen Gegenseitigkeit beruhen sollte, die zu überprüfen wäre …» Mit diesen Worten beginnt Anja Hillings neues Stück «Massiver Kuss». ER, der dort spricht, ist Auguste Rodin, berühmter Bildhauer und einer der führenden Wegbereiter der Moderne in der Kunst.
Die junge Frau, SIE, über die gesprochen wird, heißt Camille Claudel, ist ebenfalls Bildhauerin, Schwester des Schriftstellers Paul Claudel und eine der spannendsten Künstlerinnen ihrer Zeit.
Aus dem anfänglichen Lehrer-Schüler-Verhältnis entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine skandalöse Liebe. Über ein Jahrzehnt hinweg verbindet die beiden eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Liebe und Kunst, Macht und Inspiration. Doch während Rodin mit seinen Werken Weltruhm erlangt, bleibt die junge Geliebte in seinem Schatten. Dabei ist mittlerweile bewiesen, dass ein Großteil von Rodins Arbeiten ihr zuzuschreiben sind. Als die Beziehung schließlich zerbricht, gerät Camille Claudel in eine tiefe Krise. Auf Intervention ihrer Familie wird sie in eine ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 163
von Nicola Bramkamp
Manche Freiheiten sind für uns so selbstverständlich, dass wir kaum noch über sie nachdenken. Die Kunstfreiheit etwa sehen wir als selbstverständliche Grundlage unserer Arbeit – und nicht als Privileg, das nicht allen Menschen im gleichen Maße zuteil wird. Wir sollten dieses Privileg deshalb besonders schützen und nutzen. Denn mit jeder Freiheit geht auch...
Was keine Kunst ist, ist ja längst geklärt. Rolltreppe fahren ist keine Kunst. Wändegucken ist keine Kunst. In die Schirn gehen ist keine Kunst. So steht es, bunt auf Beton, seit 2003 groß im Frankfurter U-Bahn-Ausgang «Dom/Römer» an den Wänden, auf die guckt, wer die Rolltreppe hochfährt, um in die Schirn zu gehen. (Oder in den Frankfurter Kunstverein, ins MMK,...
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie...
