Neurosen sprießen
«Sterben ist etwas mehr als Harlekins Sprung» (Schiller). Aber Sterben will ja auch keiner. Also Harlekins Sprung! So dürfte es sich Junghausregisseur Martin Laberenz gesagt haben, ehe er sich erstmals auf die Große Bühne des Centraltheaters schwang, um dort «Die Räuber» Purzelbäume schlagen zu lassen.
Wie in Persiflagen von Mel Brooks wird bei ihm ein Schiller für Bescheidwisser durchturnt: in historischen, aber gern heruntergelassenen Kostümen, vor mehreren hübsch bemalten, doch bald weggerissenen Bühnenvorhängen (von Susanne Münzer), angereichert mit zügig herbeizitierten und blitzschnell vergessenen Halbweisheiten eines Daniel Kehlmann oder eines Marquis de Sade.
Es sind Stilmittel der Castorfschen Volksbühne aus den 1990er Jahren, aus denen Laberenz seinen Abend mixt. Aber er tut es nicht ohne Leidenschaft und keineswegs ohne szenische Erfindungskraft. Wieso sollten Theatersprachen auch ein Verfallsdatum haben? Was die Last der Epigonalität anbelangt, die rollt die Inszenierung höchst selbstbewusst schon von allein hin und her. Marina Frenks Amalia borgt sich ihre Femme-fatale-Identität aus einem Song von Velvet Underground, ehe sie Vater Moor (als Komikautomat: ...
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Die Bühne ist ein Blendax-weißer Kasten, nach hinten flachstufig ansteigend: Sieht super aus, erst recht im Kontrast zum altgolden Neurokoko des Saals. Und, um es gleich zu sagen, der aseptische Leer-Raum von Johannes Schütz ist das Beste an der Peymann-Inszenierung «Freedom and Democracy I hate you» von Mark Ravenhill im Berliner Ensemble.
Der jugendkultig...
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Amour fou im mittelalterlichen Spanien: Der erotisch wenig versierte, durch lange Ehe abenteuerlustig gewordene König Alfonso VIII. trifft auf ein unschuldiges und zugleich ganz schön kokettes Mädchen, die junge Jüdin Rahel. Obwohl der König eigentlich jede Menge zu tun hat – es droht Krieg gegen die Mauren –, zieht er sich mit ihr auf sein Lustschloss zurück. Als...
