Ärmel zu Ärmel, Vers zu Vers

In Hamburg eröffnen die Großbühnen mit Großklassikern: Luk Perceval untersucht «Hamlet» im Thalia Theater und Roger Vontobel Kleists «Penthesilea» im Deutschen Schauspielhaus

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Eine Wand aus Mänteln. Portalbreit und bis in den Bühnenhimmel hoch drängen dicht an dicht, Reihe über Reihe, die alten Überzieher in Grau und grauer; es müssen weit über 1000 sein. Manchmal sind auch ein paar hellere Teile darunter, Aufschläge vergangener Epochen bringen etwas Abwechslung in die monumentale Garderobe. Wenn im fahlen Licht der ganze Apparat unmerklich ins Schwingen kommt, muss man schnell auf etwas Festes schauen, sonst gerät tief unten im Parkett der Gleichgewichtssinn aus den Fugen. Keine Haltepunkte in diesem blickfeldweit wogenden Meer aus düsteren Staubfängern.

Annette Kurz hat hinter diesen «Hamlet» ein wuchtiges Pathos-Bild von Vergänglichkeit und Orientierungslosigkeit gehängt: Asche zu Asche, Ärmel zu Ärmel.


    Der nordische Knoten

Keine Inszenierung kommt um das eigent­liche Problem des Stücks herum. Nicht Sein oder Nichtsein, Handeln oder Bleibenlassen, Rache oder Bequemlichkeit ist die zentrale Frage, sondern: Ist es Wahnsinn, und wenn nein, warum tut er dann so? Hamlets Wahn, darauf hat Stephen Greenblatt scharfsinnig hingewiesen, ist die eigentliche Leerstelle des Dramas. Anders als in der Vorlage von Saxo Grammaticus (1140–1220), aus der Shakespeare ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Franz Wille

Vergriffen
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Aufführungen

1929 war das ein veritabler Theater­skandal: In Erwin Piscators Volksbühnen-Uraufführungsinszenierung von Walter Mehrings «Kaufmann von Berlin», einer auch unter Juden spielenden Persiflage auf Inflationsgewinnler, warfen SA-Männer Stinkbomben. Aufruhr ist kaum zu erwarten, wenn Frank Castorf 80 Jahre später ebenda eine Neuauflage versucht.

Trotzdem eine löbliche...

Frischbewegt

Bernd NoackHerr Kusenberg, wir stehen hier in einem lichten Foyer, das über drei Stock­werke geht – wahrhaft großstädtische Ausmaße. Alles ist hell, weitläufig, einladend: kein Vergleich zum Muff von früher...

Klaus KusenbergJa, da stolperte man durch Pfützen, bevor man überhaupt ans Schauspielhaus kam, das wiederum schlecht beleuchtet war, man fand es kaum. Und man...

In der Einfalts-Endlosschleife

Die Bühne ist ein Blendax-weißer Kasten, nach hinten flachstufig ansteigend: Sieht super aus, erst recht im Kontrast zum altgolden Neurokoko des Saals. Und, um es gleich zu sagen, der aseptische Leer-Raum von Johannes Schütz ist das Beste an der Peymann-Inszenierung «Freedom and Democracy I hate you» von Mark Ravenhill im Berliner Ensemble.

Der jugendkultig...