Oben und unten
«Licht und Finsternis», das heißt in Lars-Ole Walburgs Inszenierung von gleich zwei Tolstoi-Texten an einem Abend ganz pragmatisch oben und unten. Denn Walburg spielt das Drama «Die Macht der Finsternis» und das Fragment «Und das Licht leuchtet in der Finsternis» nicht nacheinander, sondern bringt die Geschichte um einen gut situierten Systemaussteiger und eine moralisch völlig verrohte Bauernfamilie mit schönen Konsequenzen gleichzeitig auf die Bühne (Kathrin Frosch).
Während oben auf einer Schräge nebst Perserteppich die ganze Familie den Grafen Lew (Mathias Max Herrmann) davon abzubringen sucht, sein Geld zu verschenken und die Armen in die Volksschule auf das eigene Grundstück einzuladen, tobt eine Etage tiefer mit den gleichen Schauspielern ein barbarischer Kampf ums Geld des alten Bauern Pjotr (Thomas Neumann). In einer Art Ikea-Resterampe, in einem Lager von angestoßenen und abgelegten Möbeln siecht Pjotr vor sich hin, immer belauert von seiner Brut, die bei jedem Röcheln den finalen Todeskampf erhofft.
So hat sich der Graf im Obergeschoss das Leben der Armen der Gesellschaft nicht vorgestellt. Wenn er hin und wieder nach unten guckt, kommen ihm Zweifel, worauf er sich dann ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Alexander Kohlmann
Das Hehre im Normalmaß
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