Im Wörterofen

Sonja Anders über David Grossman «Aus der Zeit fallen»

Theater heute - Logo

Monothematisch und zeitlos, undurchsichtig und mythisch überhöht, quälend und hoffnungsvoll ist dieser Text von David Grossman, und er liegt somit alles andere als im Trend derzeit gebräuchlicher Autorenstücke. Sein Thema ist der Verlust eines geliebten Menschen, eines Kindes, und er zeigt Schmerz, Unglück und Angst der Hinterbliebenen. Der Autor lässt vieles im Dunkeln, greift zu abgründigen Bildern und vertieft sein einziges Thema meditativ bis zur Unerträglichkeit. «Aus der Zeit fallen» ist antike Tragödie und Requiem in einem und durch und durch strapazierend.

Und trotzdem oder gerade deshalb lohnt es sich, es für die Bühne zu erschließen. Es landen nicht viele Stücke zur Uraufführung auf meinem Tisch, die universal verstehbar sind, deren Gültigkeit weltumspannend und unabhängig von historischen oder geografischen Begebenheiten ist – dies ist eines.

Eine Frau und ein Mann, deren Sohn vor fünf Jahren starb, haben sich zurückgezogen in ihr gemeinsames Haus. Aus dem Nichts heraus will der Mann plötzlich das Haus verlassen und nach seinem Sohn suchen. Nach langer Zeit spre­chen die zwei miteinander; darüber, wie sie sich eingerichtet haben in ihrer Trauer, vom «Mantel des Dunkels», ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Sonja Anders

Weitere Beiträge
Freitexten!

Sie ist noch nicht lange zurück aus Istanbul. Und sie sprudelt. Vor Empörung, vor Begeisterung. «Magie, reine Magie» hat sie vier Tage lang im Gezi-Park und am Taksim-Platz erlebt, und sie war dabei, mittendrin. Marianna Salzmann hatte gerade die SMS aus Mülheim bekommen, dass sie für «Mut­tersprache Mameloschn» den Publikumspreis der Mülheimer Stücke gewonnen...

Some kind of a different world

Am Ende von «Three Kingdoms» zwängt sich Risto Kübar durch einen extrem schmalen Schlitz, durch den außer ihm niemand hindurch zu passen scheint, auf die Bühne. Er kniet sich vor einen Tisch und macht seinem Gegenüber, dem am Ende seiner Reise durch Europa all seiner Gewissheiten beraubten britischen Detective Stone, einen Vorschlag: «I learned Origami since I was...

Doppelgeschöpf, weiblich

Es war ’ne doofe Idee. So ’ne typische Journalisten-Idee. Jetzt stapft Sandra Hüller mit energischen Schritten, die Silhouette schwankt leicht von links nach rechts, auf den Max-Joseph-Platz zu. Da, wo die Münchner Maximilianstraße ihren Anfang nimmt. Die weltberühmte Modemeile.

Wir sind zum Bummeln verabredet. Und zum Reden. Bummeln – natürlich ein Witz. Es ist...