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Sie ist noch nicht lange zurück aus Istanbul. Und sie sprudelt. Vor Empörung, vor Begeisterung. «Magie, reine Magie» hat sie vier Tage lang im Gezi-Park und am Taksim-Platz erlebt, und sie war dabei, mittendrin. Marianna Salzmann hatte gerade die SMS aus Mülheim bekommen, dass sie für «Muttersprache Mameloschn» den Publikumspreis der Mülheimer Stücke gewonnen hatte, als es unten im Gezi-Park losging.
Sie stürzte auf die Straße, und da blieb sie, «mehr oder weniger vier Tage und Nächte lang», erfuhr die Gewalt von Wasserwerfern, die Notwendigkeit von Mundschutz und die Heilungskräfte von Zitronen gegen Tränengas. «Und ich bin geplatzt vor Glück, man kann sich das nicht vorstellen: Kemalisten tanzen mit Kurden, mit Lesben, mit Gays; alte Omis backen uns Plätzchen; kleine Kinder laufen herum, Jungs mit Anonymos-Masken, die alte Männer umarmen; Frauen klettern auf Dächer, und alles singt ‹Bella Ciao›. Es gibt eine Bibliothek, man kocht füreinander. Wenn das möglich ist, bei so einer Polizeigewalt und solcher Brutalität, dann ist alles möglich! Ich glaube wieder an die Welt!»
Seit September letzten Jahres war sie in Istanbul gewesen, zunächst in höchst privilegierter Situation und ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Die Höhepunkte des Jahres, Seite 156
von Barbara Burckhardt
44 Kritiker! Geballte Kompetenz, Urteilskraft, Gefühlsstärke und Sensibilität! Dabei ist selbstverständlich jede ästhetische Wertung hochindividuell und unübertroffen. Und wenn sich dann noch einige unserer Kritikerkollegen unerwartet einig werden, ist die Überraschung perfekt: Die Sieger des Jahres, die Stücke, Inszenierungen, Spieler und Theater der Saison!
...Was haben die Schauspielerin, der Schauspieler und der Nachwuchsschauspieler des Jahres gemeinsam? Was verbindet Sandra Hüller, Steven Scharf und Risto Kübar? – Sie sind alle von den Münchner Kammerspielen. So ein Zufall. Aber vielleicht auch nicht
Wer im Theater von Kunst redet, wird möglicherweise ein bisschen schief angeschaut. Man will ja nicht im Elfenbeinturm enden. Trotzdem muss es im Theater Freiräume geben, die andere Begegnungen, Arbeitsformen, Gedankenspiele und Utopien ermöglichen als im durchfunktionalisierten Alltag, das bezweifelt kein Theaterkünstler. Aber wie viel Freiraum bietet das...
