Unter Walzerzwang
«Da draußen in der Wachau» heißt der Walzer, der Stephan Kimmigs Kammerspiel-Inszenierung von Horváths Volksstück «Geschichten aus dem Wiener Wald» durchzieht wie ein zähes Bonbon, ein Werk von Ernst Arnold in bester Wienerlied-Tradition, das sich mit einer Mischung aus sommernächtlichem Rausch und klebrigem Kitsch ins Ohr schleicht.
Schon während der Einlassphase tönt es in Endlosschleife durchs Foyer, ein in schütterer Eleganz ergrautes Paar dreht dazu seine Runden, bis sich der Eiserne Vorhang hebt und auf der Bühne weitergetanzt wird, allerdings mit deutlich derberen Nebengeräuschen. Man hustet und keift sich aus nächster Nähe ins Gesicht, die Paare, die sich hier gefunden haben, sind allesamt Notgemeinschaften, die mit erbitterter Boshaftigkeit ihr Unglück aneinander auslassen.
Katja Haß hat dazu die Drehbühnenscheibe, halb Manege, halb Teufelsrad, mit dunklem Holz getäfelt und in der Mitte leicht kegelartig erhöht. Das Tanzen ist hier weniger Vergnügen als rigider Gruppenzwang, den die honorige Gesellschaft auf alle ausübt. Wer nicht mehr kann, sitzt mal kurzzeitig erschöpft am Boden und rappelt sich, sobald es geht, wieder auf. War der Wiegeschritt zu zweit einstmals ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Chronik: München Kammerspiele, Seite 59
von Silvia Stammen
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