Totenbeschwörung auf der Insel
Das ist der Tod, der vor mir steht – lacht!» Mit diesem Motto beginnt Emine Sevgi Özdamars Umwidmung eines barocken Totentanzes zu einem Memento mori in sieben Szenen, zu einem grausigen und komischen Spiel über Krankheit, Verlassenwerden, Sterben im Exil und die Kraft, die der Mensch dagegen mobilisieren kann. Sie feiert keinen Kult der Vergänglichkeit, in dem der Tod triumphiert, sondern sie will das Leben befreien durch Bewusstmachen, Verarbeiten und Integrieren des Todes ins Leben.
Sieben Szenen, das sind sieben «Erzählungen», in denen über zwanzig verschiedene Figuren vorkommen; sie reichen vom alten türkischen Elternpaar über drei im Exil gestorbene Türken, die als Tote auftreten, die Autorin selbst und ihren Lebensgefährten, dessen Bruder und Frau, einer Gruppe japanischer Schulmädchen bis zu den realen historischen Figuren Walter Benjamin und Peter Zadek. Das hört sich erst einmal nach einer Überforderung des Theaters an, aber die Verbindungen der Orte, Zeiten, Kulturen und das Pendeln zwischen verschiedenen Erzählweisen geschehen bei ihr ganz einfach und logisch. Und eine der Aufgaben von Literatur ist es, dem Theater erst einmal Widerstand entgegenzusetzen.
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 168
von Bettina Schültke
Es ist merkwürdig: Eigentlich gilt Berlin als Zentrum der Unzufriedenen und Protestierenden und Stuttgart als Ort, wo Reichtum und Zufriedenheit herrschen. Und jetzt ist Stuttgart das revolutionäre Zentrum und Berlin die Insel der Spießigkeit. Berlin hat sich aufgelöst in viele Szenen, die immer auf der Jagd nach den eigenen Projekten sind. Das eigene Leben...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht...
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