Die wahren Brexit-Dramen
Während im neuen Jahr London seine Premieren im gewohnten Rhythmus ausspuckt, wird kein britischer Theatermensch bestreiten, dass das absurdeste Stück zur Zeit in Westminster spielt. Man sieht perplex auf die Parlament-Politfarce – die Londoner, die ja als Insel auf der Insel klar für «Remain» gestimmt hatten, vielleicht mit besonderer Galle. Und da Mrs.
May die postkolonialen Brexitfantasien ihrer Eton-Bully-Boys deutlich mehr interessieren als Massendemonstrationen für ein zweites Referendum oder parlamentarische Mehrheitsentscheidungen gegen ihren Deal, weiß jeder, dass auch eine künstlerische Stellungnahme Nullkommanichts bringen würde.
Zu Jahresanfang lief auf Channel Four ein interessantes Dokudrama des Theaterautors James Graham, «Brexit: The Uncivil War», das rekonstruiert, wie die «Vote Leave»-Kampagne mithilfe der Medien, sozialen Medien und vor allem Cambridge Analytica das Referendum für sich entschied. In der britischen Theaterlandschaft gibt es eine so direkte Auseinandersetzung mit dem Thema aktuell nicht, kein Brexit-Agitprop weit und breit. Dafür schauen gerade eine Menge Londoner Bühnen in die Vergangenheit, um die Gegenwart ein wenig besser in die Griff zu ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: International, Seite 32
von Patricia Benecke
Die Auswahl zum Berliner Theatertreffen steht fest
Es sind wieder zu wenig Regisseurinnen in der Auswahl. Viel zu wenig Theater aus kleineren Städten wie Darmstadt, Bern oder Oberhausen. Viel zu viel Postdramatik, Romane, Filme, Überschreibungen. Kaum migrantische Positionen, genauer gesagt: kein einziger Schwarzer, oder, wie die von der Social Media Abteilung der...
Am Ende ist doch immer wieder erstaunlich, wie viel kulturpolitisches Vertrauensporzellan in kurzer Zeit von entschlossenen Akteur*innen zerschlagen werden kann. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hatte im Einvernehmen mit der örtlichen Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach und beraten vom pensionierten Bühnenvereinsdirektor Rolf Bolwin einen...
Einmal mehr am Ende eines Theaterabends die Frage, ob denn nun wirklich jeder Roman auch auf die Bühne gebracht werden muss, ob es da nicht eine ganz bewusst gesetzte Grenze zwischen der gekonnt komponierten Prosa und dem erzählenden Theater gibt und geben sollte. In diesem Fall geht es um das viel beachtete und wegen seiner komplizierten Verschränkung...
