Die Rettungsschwimmerin
Dea Lohers Stücke erzählen von Schuld und Verantwortung, von Verrat, persönlichem Versagen und überpersönlichem Unglück, von Verantwortung und dass man ihr nicht gerecht werden kann.
Und doch kommt mir fast immer, wenn ich Dea sehe, der leichtfüßige Beginn einer Geschichte von Katherine Mansfield in den Sinn: «Was soll man auch tun, wenn man dreißig ist und beim Einbiegen in die Straße, in der man wohnt, von einem Gefühl der Seligkeit überwältigt wird – reinster Seligkeit, als hätte man plötzlich ein glänzend helles Stück dieser Spätnachmittagssonne geschluckt, und nun brennt es einem in der Brust und versprüht einen kleinen Funkenregen im ganzen Körper bis in jeden Finger und in jede Zehe ...»
Dea Loher ist das Gegenteil von schwer. Brecht sprach davon, dass das weiche Wasser in Bewegung mit der Zeit den mächtigen Stein besiegt. Aber Dea Loher will nicht siegen, vielleicht will sie aufmerksam machen, sicher will sie etwas zum Ausdruck bringen, um die empfundene Last zu verlagern vom Leben ins Schreiben, von der einen auf die andere Schulter. Ihr Theater hat mit meist schmerzhaft empfundener Körperlichkeit zu tun. In einem Interview erzählt sie von der prägenden ...
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Christian Winkler, 1981 in Graz geboren und in der Steiermark aufgewachsen, kennt das englischsprachige Theater ebenso wie das deutschsprachige und ist erst vor kurzem von seinem Londoner Regiestudium nach Österreich zurückgekehrt, um nun von dort aus als Regisseur und Autor Theater zu machen. Und in den letzten Monaten ist viel passiert: Winkler hat seine Texte in...
Für den Titel ihres neuen Stückes greift die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanovic tief in die Begriffskiste der religiösen und spirituellen Mythologie: Dort steht «Barbelo» mal generell für (religiöse) Offenbarung, mal, wie bei den Gnostikern, für «die Mutter alles Lebenden», und schließlich wird damit schlicht und sehr konkret auch die Gebärmutter...
Prolog
Wie sich im Laufe des letzten halben Jahres herausgestellt hat, gibt es keinen Sektor des Lebens, der Kultur, der Politik, keine Betätigung zwischen Fußball und Fallenstellen, die nicht ihr 68 gehabt hätten. Die hinter uns liegende Zeit besonders intensiver Debatte darüber, was das eigentliche 68 gewesen wäre, das Wesen von 68 nämlich, im Gegensatz zum...
