Fenster ohne Vorhang

Nach dem Wettersturz: Was haben sich das deutsche und das hollän­dische Theatersystem zu sagen? Über den Wert von Institutionen, notwendigen Umbau und neue Unterscheidungen: die Eröffnungsrede zum Netherlands Theatre Festival 2014

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Vor einigen Jahren, ich war Dramaturg am Schauspielhaus Bochum, später in Zürich, wurde mir das deutschsprachige Produktionssystem unheimlich, weil seine Begriffe, mit denen ich aufgewachsen bin und auch gewohnheitsmäßig umging, nicht mehr zu erfassen schienen, was da plötzlich entstanden ist in den späten 90ern und frischen Nullerjahren des neuen Milleniums. Damals fing ich an, vom «Theater des Tages» und einem «Theater der Nacht» zu sprechen.

Schauen Sie sich unsere traditionellen Stadttheater in der westlichen Welt an – es sind Höhlen.

Wenn sich die Türen, die in ihr Inneres führen, schließen, wird es dunkel und still, nichts von draußen dringt mehr her­ein, und alles, was wir ab nun im Inneren dieser Höhlen erblicken, ist hier unter den Bedingungen seiner besonderen Künstlichkeit zur Erscheinung gebracht – im Kunstlicht der Scheinwerfer, an einem Ort, der nicht der Ort ist, von dem die Schauspieler sprechen, die meistens in der Maske waren, bevor sie auftreten, und Namen tragen, die nicht ihre sind. In diesem Vivarium treten die Toten wieder auf – sie werden durch das Blut von uns Zeitgenossen wieder belebt; Häuser wie dieses, in dem ich gerade spreche, sind also Draculas Burg. ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Essay, Seite 46
von Thomas Oberender

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